Stans, 1941
Zufällig sah ich eine illustrierte, alte Sonntagsausgabe des Osservatore Romano, wo mein von Rom verbotener grosser Zuger Kruzifixus in verzerrter Foto abgebildet war unter dem Motto „Gotteslästerungen im Bilde“ [Bestiemme illustrate]. (Etwa zehn Jahre später wurde der gleiche Kruzifixus in besserer Aufnahme daselbst wieder reproduziert unter dem Titel „Hervorragende Leistungen von Schweizer Künstlern“. Vgl. Paris, Mai 1960 und Bilder im Fotoarchiv)
Arlesheim, Dezember 1946
Gestern war ich zu bequem, den Marmorblock, von zäher, filziger Qualität, auf die übliche Weise zu spalten, um ein Stück für ein Relief abzutrennen. Ich wollte die antike, ägyptische Methode anwenden und nur wenige tiefe Löcher schlagen. In diese schlug ich auf drei Seiten tannene Keile, wickelte diese in nasse Tücher und ging schlafen. Am Morgen war ich vor dem Frühstück im Atelier. Natürlich war nichts passiert – der Block noch ganz und die Lappen halb trocken. Ich hätte eben viel mehr und tiefere Löcher hauen sollen. So tauchte ich die Lappen nochmals in Wasser und legte sie triefend auf die Keile. Ich war noch nicht bei der Tür, als ich einen Laut hörte, wie wenn einer ganz leise mit der Zunge geschnalzt hätte. Ein Lebewesen vermutend, ging ich zum Block. Der Stein war genau nach Wunsch gespalten.