Notizen

Genf, August 1934 [aus einem Brief]

Wir haben bei dunstigem Wetter über die grenzenlose Wasserfläche gesehen und waren ergriffen von der scheinbar unendlichen Weite. Traten wir aber einige Meter vom Ufer zurück und hatten vor uns die machtvolle Vertikale eines Baumstammes und dahinter die Wasserfläche, so spürten wir die Spannung zwischen beiden und hatten ein eindeutiges Mass vor uns gegenüber der grenzenlosen Weite. Gingen wir noch etwas zurück, bis wir drei Stämme auf einem dreieckigen Grundriss vor uns hatten, so entstand eine völlig neue Situation. Wir spürten plötzlich eine neue Raumsubstanz zwischen und um die drei Stämme, und hinter diesem plastischen Raum zerfiel die unendliche Weite in blossen Hintergrund. Wir standen vor einem „Gegen-stand“, d.h. vor einer Raum-Körper-Situation von einer durchaus eigenen, spezifischen Qualität und Gültigkeit, vor einer Situation, die von uns gänzlich unabhängig, einfach da war, so wie Mörike von der Lampe sagt: „Was aber schön ist, selig scheint es in ihm selbst.“