Notizen

Florenz, Oktober 1935

Woher hat wohl Vasari die fade Geschichte, Michelangelo habe seine Modelle in ein Gefäss mit Wasser gelegt und dann die Kurven, die sich beim stufenweisen Abfliesslassen des Wassers zeigten, auf seinen Stein übertragen? Es sollte wohl damit das schichtenweise Vordringen in den Stein gezeigt und bekräftigt werden. Hildebrand beruft sich für seine optische Theorie umsonst darauf, denn die angefangenen Arbeiten im Block beweisen das Gegenteil (ausser vielleicht der angefangene Matthäus von 1560). Gerade Michelangelo ist mit grösster Kühnheit in den Stein eingedrungen, direkt los auf die funktionell wichtigsten Stellen – die Gelenke, auch wenn diese im Blockinneren disponiert waren und er die Oberfläche des Blockes sonst noch kaum berührt hatte.

Florenz, Oktober 1935

Das Interessante an der Technik Michelangelos ist nicht die Art, wie er sein Spitzeisen führte oder mit den feinen Zahneisen modellierte, sondern dass er oft den allerkürzesten Weg sucht, um im grossen Block auf die Haut seiner Figur zu kommen. Die Reste von Bohrlöcherreihen zeigen, dass er zum Beispiel die Kontur eines Beines auf den Block zeichnete und diesen dann Loch an Loch ausbohrte (sicherlich durch Gehilfen), so dass ihn nur noch eine dünne Steinschicht von der Oberfläche trennte. Leider verfüge ich über keine Gehilfen, und die handlichen Bohrmaschinen sind langsamer als die Spitzarbeit, und die Kompressoren sind zu derb und zu laut. Wenn nur die Industrie handliche, wirksame Bohrmaschinen bauen würde, aber wegen einiger Bildhauer werden keine konstruiert.