Arlesheim, Februar 1966
Lieber Franz Blum,
meine Notizen sind fast ganz auf das Bildhauerische beschränkt, und alles Persönliche ist ferngehalten. Für mich aber ist mit so vielen Sätzen deine nahe Gegenwart verknüpft. Du warst wie keiner an meinen Studien in Berlin interessiert, und nach der Rückkehr haben sich unsere Wege ungezählte Male berührt, und wenn sie sich nicht berührten, wussten wir uns als Freunde. An wie Vieles wäre zu erinnern. An den Optimismus, die christliche Kunst erneuern zu können, angespornt durch Cingrias Buch La décadence de l’art sacré. An die Zeit, wo man uns einen „romanischen Komplex“ nachsagte, weil man sich noch kaum um Romanik interessierte. Wie ich Dich zum Bischof von Pomposa ernannte, nach dem wir von Ferrara auf staubigen Strassen in die Lagunen hinausfuhren, vorbei an ungezählten grosshornigen Ochsen und an einer einsamen Kinderprozession, wo die Vordersten bei der Fahne ein weisses Särglein auf den Schultern trugen. An den Abend auf der sonnenwarmen Steinbrüstung des Turmes von Chartres, vom Pförtner bis nach dem Sonnenuntergang über den endlosen Kornfeldern eingeschlossen. Oder an die katalanischen Kunstschätze in Maisons-Laffitte, die vor dem spanischen Bürgerkrieg dort bewahrt wurden. Wie Du während des Krieges oft mit dem Abendzug nach Stans kamst und mit dem Morgenzug wieder nach Basel fuhrst. Wie hast Du nicht nur die menschlichen Probleme, sondern auch die theologischen auf persönliche Weise durchdacht. Nie wolltest Du dem Buchstaben, aber immer dem Geiste gerecht werden. Was habe ich alles von Dir lernen können. Dafür sei Dir mehr gedankt als für den ersten Auftrag, den ich als Bildhauer erhalten habe.