Mensch und Stein – Vortrag zum 80-ten Geburtstag

Albert Schilling, Vortrag anlässlich seines 80-sten Geburtstages 1984 im Rotary Club Muttenz-Wartenberg, Druckfassung

In den ersten Jahren nachdem ich zum handwerklichen Beruf des Bildhauers gewechselt hatte, kannte ich noch keine Vorliebe für irgend ein plastisches Material.

Ich arbeitete in Gips, Sandstein. gebranntem Ton, HoIz und Bronze. Neben den spärlichen Auftragen verblieb mir noch viel Zeit für mein zentrales Interesse: zu erkennen, was das eigentliche Wesen des PLASTISCHEN, der Skulptur sei. Ich habe an den langen Abenden wohl das meiste gelesen, was bedeutende Leute über diese Thema in deutscher Sprache geschrieben haben.

Diese ersten Jahre gehören zu den schönsten meines Lebens.

Den Stein lernte ich erst genauer kennen und lieben, als ich nach Stans übersiedelte und mir, wegen des ausgebrochenen Krieges nur noch der zähe, harte, silikathaltige Schrattenkalk vom Pilatus vom nahen Steinbruch am Lopper zur Verfügung stand. Es waren nur noch Steinbrüche für Militarstrassenbau und für Bunker überhaupt noch in Betrieb. Da die Bronze für GranathüIsen reserviert war, musste ich einen von der Eigenossenschaft angekauften Akt aus einem dreimal zu breiten Felsstück hauen.  Dieses war wohl die beste Schule, die ich in der Bildhauerei überhaupt hätte durchmachen können.