GEGENWART. Lateinisch: Präsenz. Was ist das?
Fragen wir die Aegypter, die wie keine andere Hochkultur wussten, was Skulptur ist. Sie stellten in ihrer Bilderschrift, die in „Kartuschen“ zusammengefasst ist, das Wort „Bildhauer“ folgendermassen dar: der Mann der den Dingen Ewigkeit gibt.
EWIGKEIT. Was ist das?
Sicher nicht immerwährende Zukunft. Ewigkeit ist Gegenwart ohne Zukunft, denn die Zukunft bedingt schon in sich selber die Vergangenheit.
Von einem Schauspieler sagen wir er habe eine starke Präsenz. Der Bildhauer ist also der Mann, der den Dingen Präsenz verleiht, d.h. ein intensives Dasein.
Ich habe schon viel darüber nachgedacht, was denn eigentlich der Kern ist – warum ich immer wieder eine neue Plastik mache, obwohl das Atelier schon voll ist. Warum so viel Staub und so viel Mühsal; warum immer wieder eine neue Plastik? Das ganze entscheidend Spannende an der Arbeit des Bildhauers ist die ständig wachsende Präsenz. Vom Begin der Arbeit am unförmigen Werkstück. Diese Präsenz wird immer klarer, immer bestimmter, die Steinmasse wird immer realer und der Stein selbst immer dichter.
