Mensch und Stein – Vortrag zum 80-ten Geburtstag

In den letzten fünfzehn Jahren meiner Arbeit habe ich immer wieder versucht, dem Vorbild der bedeutenden Täzerin auf bildhauerischem Gebiet nahe zu kommen.

Ich habe die einfachsten Motive auf plastische Art in Stein zu realisieren versucht.

Zugleich wollte ich auch den konkaven und vermeintlich leeren Raum in ähnlicher Dichte – wie es in meiner Jugend Chlothilde Sacharoff mit dem Bühnenraum erreicht hat – in die Skulptur einbeziehen.

Oft scheint mir der hohle Raum mehr Spiritualitat auszustrahlen, als es die konvexe Steinmasse vermag. Die konvexe Masse strahlt Vitalität aus, Aktivität, Agressivität, Präsenz, Selbstbehauptung. Die konkave, hohle Form, zeigt Geborgenheit, Stille, Konzentration, Geheimnis, Entmaterialisation, Antimonumentalität, Bescheidenheit.

Unsere Zeit hat in der abstrakten Kunst eine der bedeutendsten Erweiterungen der skulpturalen Möglichkeiten im Stein gebracht: die gleichwertige Durchformung des konvexen Volumens und des konkaven Raumes.  Es ist dies ein Produkt aus der Erkenntnis, dass Raum und Volumen Korrelate sind, d.h. je dichter das Volumen ist, desto dichter ist auch der umgebende Raum.

Nur die Ablösung vom naturgegebenen Vorbild gibt die Freiheit, Masse und Raum nach eigengesetzlichen Bedürfnissen zu organisieren. Es folge ein Beispiel von einem stark konvexen Gebilde eine Apfel. Es gibt kaum deutlichicheres. Ein Apfel ist gespannt von innen nach aussen. Wenn Sie ihn horizontal durchschneiden ist es fast ein Kreis. Aber trotzdem ist der Kreis nicht ganz rund: man spürt noch den pentagonalen Aufbau der Frucht aus der fünfblätterigen Blüte. Und mitten durch den Apfel geht eine vertikale Achse. Diese zieht oben und unten die Haut des Apfels hinein. Wenn man jetzt meint, unten und oben sei eine konkave Form, so ist das ganz falsch. Es ist keine Höhlung, sondern zwei konvexe Formen kommen da zusammen und könnten dann in der Wirkung, oberflächlich gesehen, hohl erscheinen.