Mensch und Stein – Vortrag zum 80-ten Geburtstag

Es ist immer ingendwie fragwürdig, wenn ein Küstler selber über Kunst schreibt. Man nimmt automatisch an, dass er pro domo spreche.

Aber er kann ja nicht aus seiner Haut. Und es ist schon schwierig genug, sich selber zu finden, seinen Wesenskern zu erkennen. Wissenschaftler haben es eigentlich gut. Sie können überprüfbare Masstäbe an ihre Arbeit anlegen.

Man sagt so leichthin: “Über den Geschmack lasst sich nicht streiten” und meint dabei oft, dass man über Qualität gar nicht reden könne.  (Es ist so, der eine hat lieber Gothik, der andere ist vielleicht begeistert vom Barock mit seiner umfassenden Einbeziehung verschiedener Künste, Malerei, Plastik, Architektur). Mir hat man schon als ich ein junger Student war, nachgesagt, ich habe einen „romanischen Komplex”. (Damals gab es noch kaum Bücher über Romanik und in den Reiseführern stand bei romanischen Skulpturen immer “eigenartig“, aber nie „schön“. Das hatte damals kaum jemand zu schreiben gewagt.)

Wenn wir die Qualität von Kunstwerken beurteilen wollen, so geschieht dies am deutlichsten, wenn wir zwei ähnliche Kunstwerke vom gleichen Künstler, oder aus der gleichen Zeit, oder mit dem selben Thema miteinander vergleichen. Im Vergleich lasst sich eindeutig sowohl der Gehalt als auch die formale Qualität unterscheiden. Eine Skulptur ist vielleicht viel dekorativer – die andere ernsthafter. Das alles kann am besten im Vergleich gewertet werden. Auch Formqualitäten können im Vergleich festgestellt werden.