Während meiner bildhauerischen Tätigkeit hatte ich gleichsam ein Hobby. Fast alle Jahre machte ich ein Portrait. Und das mit grossem Interesse.
AIs ich den Kopf von Hans Urs von Balthasar beendet hatte, schrieb ich ihm einen Brief. lch glaube, es sind darin verschiedene wesentliche künstlerische Aussagen.

Aus einem Brief, Arlesheim, Dezember 1965 (1)
… kaum eine bildhauerische Betätigung erscheint mir so voller Probleme, wie gerade das Porträtieren. Es sind denn auch bei jeder begonnenen Arbeit wieder ähnliche Fragen, die mich beschäftigen. Da steht als erste die Frage der Verantwortung gegenüber dem Dargestellten. Der Künstler kann ja mit den verschiedensten Intentionen an seine Aufgabe herantreten. Er kann zum Beispiel in erster Linie ein freies Kunstwerk schaffen wollen. So soll Michelangelo bei der Figur des Lorenzo Medici auf die Einwände geantwortet haben: Wer fragt in 500 Jahren noch nach der Ähnlichkeit? Als junger Bildhauer habe ich dieses idealistische Bildnis in Stein kopiert. Heute erscheint es mir keineswegs mehr glaubhaft, und ich würde gerne die Frage nach der Ähnlichkeit stellen. Wie viel glaubhafter und lebendiger ist der Kopf Gattamelatas von Donatello, oder Ludovico Gonzaga. Der eine in seiner gefurchten Individualität, der andere in seiner fast platzenden Plastizität. Beide aber Dokumentationen ihrer Träger, mit einer Ausstrahlung, die das Interesse am Künstler vergessen lassen. Hier erhebt sich die entscheidende Frage, ob und wie weit der Künstler seiner Arbeit Züge geben darf oder soll, die seiner persönlichen Formenwelt näher stehen als dem Dargestellten.