Bildhauer und Kirchenbau heute

Albert Schilling , Herder-Rombold 57

Nicht ohne Hemmungen habe ich es übernommen, Menschen anzuprechen, die für die Arbeit am Kirchenbau bereit und offen sind. Bin ich nicht ein Spielverderber, ein Asket, der schon deshalb fragwüdig ist, weil er seine Askese auch anderen beibringen möchte? In der Tat, vier Jahre nach dem Konzil stellt sich die ernsthafte Frage: Was hat heute der Bildhauer im Kirchenbau verloren oder zu suchen? Kann man überhaupt von „Kirchenbau heute“ sprechen? Ebenso verschieden wie unsere Wohnstätten: Siedlungen, Bauerndörfer, Hochhäuser, Slums, Wohnblöcke, Villen, ebenso verschieden werden auch bald unsere Kirchenbauten werden. Und im Innern? Haben nicht die Liturgiker nach dem Konzil sehr klare Rezepte und Schemata ausgearbeitet, deren Gemeinsames in den drei Punkten von Altar, Ambo und Priestersitz besteht? Trotzdem glaube ich das die Künstler auch auf die kommende Entwicklung Einfluss haben werden, wie sie ihn in den vergangenen fünfzig Jahren der „liturgischen Bewegung“ wesentlich gehabt haben, auch gegen grösste Widerstände.

Damals, vor 45 Jahren, hatte Alexandre Cingria mit seiner Schrift:  „La décadence de l’art sacré“ zum Kampf gegen die sentimentale Verlogenheit kirchlichen Kitsches aufgerufen. Perret baute in Paris-le-Raindy, Moser in Basel die Antoniuskirche, die Lukasgesellschaft wurde gegründet, und langsam fand echtes, künstlerisches Bemühen in die Kirchen Eingang.