Die vielen neuen, aufwendigen Kirchen (auch jene, an denen ich noch vor wenigen Jahren mitgearbeitet habe), wie sie heute fast durchwegs gebaut und projektiert werden, sind sie nicht schon hoffnungsIos veraltet, hoffnungsIos, weil von ihnen kein Weg in die Zukunft führt? Erscheinen sie nicht als die letzten Ausläufer einer vergangenen Zeit, obwohl sie durch äusseren Aufwand oder individualistische Exzentrik ihre Daseinsberechtigung zu betonen suchen? Es ist der Zwang von aussen, der die Veränderung unserer Kirchenräume bedingt, ungeachtet unserer Ablehnung oder Zustimmung. Dass die meisten neuen Kirchen den Stempel des Vergangenen tragen, ergibt sich schon aus der Betrachtung der historischen Entwicklung der letzten fünfzig Jahre, d. h. der Zeit der sogenannten liturgischen Bewegung. Ungefähr um dass Jahr 1925 erschien die vom holländischen Pfarrer van Aacken verfasste Schrift Christozentrische Kirchenkunst, wo ein zentraler, überhöhter, lichtvoller Altarraum gefordert wurde. In der Schweiz war es damals noch kaum gestattet, den Altar auch nur wenig von der Wand abzulösen. Gegen grösste Wiederstände folgte eine schrittweise Ablösung, darauf der Kampf gegen den Chorbogen, dann gegen die Einengung des Chores, dann gegen den Chor selbst, bis der heute selbstverständliche Einheitsraum da war. Wie ein feierliches Relikt des Chores steht heute der Altarbezirk im sogenamten Einheitsraum. Dass aber eine Entwicklung nicht abgebrochen wird, bis sie in die letzte Konsequenz verfolgt ist, zeigt die Stilgeschichte immer wieder. Warum sollte hier die Entwicklung anders verlaufen, nur, weil wir noch keine Lösungen kennen.