Bildhauer und Kirchenbau heute

Wenn auch die entscheidende Gestaltung der Eingangs- Situation beim Architekten liegt und es scheinbar kaum ersichtlich ist, was der Bildhauer beitragen kann, so wäire es doch in vielen Fällen schade, auf seine Mitarbeit verzichten zu wollen. Verfügt er doch über viel diffrenziertere Mittel sowohl zur Intensivierung eines Volumens wie zur Sensibilierung des Raumes. Es sind dies Qualitäten, die dem Menschen seine eigene Körperlichkeit, sein Daseinsbewusstsein intensiver fühlbar machen und damit auch das Erlebnis des Hinein- und Hindurchgehens. Hindurchgehen vom Gehetztwerden zur Geborgenheit, vom Lärm in die Stille, von der Zerstreuung in die Sammlung, vom Wirrwarr in die Einfachheit. Übergänge, die vom Künstler einen Verzicht auf alles Demonstrative oder gar Monumentale voraussetzen.

Wir haben uns leider daran gewöhnt, nur das Aussergewöhnliche, das zum Notwendigen noch Hinzugefügte als Kunst zu betrachten, also gerade das, worauf wir in unserer engen Situation der stets wachsenden Diaspora verzichten könnten oder müssten.

Aber gerade dieser Umstand ist geeignet, ins Gebiet der wirklichen Kunst vorzustossen, in jene gestalterischen Bereiche, wo wir nicht mehr mit dekorativen Mitteln eine Situation zu übersteigern versuchen, sondern mit den primärsten, einfachsten Mitteln den Räumen und Situationen die grösstmögliche Dinglichkeit verleihen. Damit lassen wir jene herkömmliche oder auch modern sein wollende sogenannte Kirchenkunst weit hinter uns und finden den Weg zu dem, was vielleicht erst später als wirkliche Kunst erleben.