Die Problematik von Kunst und Kirche ist aber nicht nur eine allgemeine, gleichsam theoretische. Nein, auch alle spezifischen Aufgaben, die noch während des Konzils durch den Bildhauer fast problemlos realisiert wurden, sind fragwürdig geworden. Welcher ernsthafte Bildhauer würde sich nicht lieber in seine eigenen skulpturalen Gefilde zurückziehen, als Dinge zu machen, über deren Richtigkeit wie Berechtigung gegensätzliche Meinungen der Fachleute bestehen, wie sogar über die wichtigsten, sogenannte Ausstattungsgegenstande, z. B. Altar, Ambo, Priestersitz, Taufstein.
Seit Jahren bemühe ich mich um die Änderung der Vorschriften über den Altar, nach denen eine Kirche nur geweiht werden kann, wenn sie einen unverrückbaren Altar aus Naturstein hat, das sogenannte altare fixum. Der Natursteinaltar, mit dem vom Bischof verschlossenen Reliquiengrab, der unverletzlichen, gesalbten Fuge zwischen Mensa und Stipes, ist das Bild der mit der Erde, dem gewachsenen Boden verbundenen, erhöhten Opferstelle. Die Kirche selbst hat aber diesen Sinn längst aufgegeben, indem sie wohl die Vorschriften und den Ritus der Altarweihe einhält, direkt unter dem Altar aber irgendwelche profane Räume sowie verschiedenste Isoliermaterialien gestattet. Schon auf der Weltausstellung in Paris – 1937 – war der Stipes des gewaltigen Steinaltars im päpstlichen Pavillon aus dem Isoliermaterial Glas. Bei meinem ersten Altar in der Lindenbergkapelle in Basel – 1939 – wurde vom gewachsenen Boden durch den Keller bis unter den Altar ein Pfeiler aus Natursteinen aufgefürt, um nicht dem Buchstaben, sondem dem Sinn zu genügen.