Bildhauer und Kirchenbau heute

Heute ist die Situation gänzlich verändert. Seit Jahrhunderten wurde in der Kirche nicht mehr alles so sehr in Frage gestellt. Viel lebenswichtigere, dringlichere Probleme werden den künstlerischen vorangestellt. Es ist notwendig, dass der Künstler selber diese Situation klar sieht und begreift. Nur ein Beispiel: In der Schweiz kostet ein sogenanntes grösseres, heute schon wieder fragwürdig gewordenes Pfarreizentrum mit Kirche, Pfarrhaus, Saal und anderen Räumen zirka vier Millionen Franken, während gleichzeitig das Geld für dringend notwendige Katecheten nicht vorhanden sein soll. Mit dieser Summe könnte man vier Katecheten mit jahrlich 25.000 Franken 40 Jahre lang honorieren. Die vielen kleinen Lichter, die das Konzil aufgesteckt hat, lassen die langen, dunklen Schlagschatten nur um so deutlicher erscheinen. Vor aller Kunst stehen Fragen der Dogmatik, der Pastoral, der Mission, der Moral, der Ökumene, der SozioIogie usw. Kräfte und Mittel müssen mit äussersten Sorgfalt eingesetzt werden. Es geht in der kirchlichen Kunst weder um Dekoration noch um Demonstration. Im Münster, Nr. 1, 1968, hat Josef Schäfer drei bedenkenswerte Forderungen aufgestellt im Aufsatz  Die Kunst und das Heil:

Es geht nicht um die Welt von heute in der Kirche: Es geht um die Kirche in der Welt von heute.

Es geht nicht um die Präsenz moderner Welterfahrung in der Verkündigung der Heilsbotschaft Christi, es geht um die Präsenz des Heiligen im Raum moderner Welterfahrung.

Es geht nich darum, die christliche Kunst zu modernisieren, es geht darum, die moderne Kunst zu christianisieren.