Zusammenfassend könnte man vom Standpunkt der Bilhauers aus sagen, dass heute die skulpturale Gestaltung eines Altares nur noch in den seltensten Fällen eine verlockende Aufgabe darstellt, weil zuvor eine sorgfältige Überprüfung der Vorschriften für den Altar dringend notwendig erscheint. Besonders die Frage der Materialien muss auf weite Sicht hin gelöst werden. Man wird kaum am Naturstein festhalten können. Nicht nur, dass er in Grossstädten immer schwerer erhältlich und für viele moderne Bauweisen ein gänzlich ausgefallenes Material darstellt, sondern auch, weil die kirchlichen Organe in vielen Fällen gar nicht mehr befähigt sind, die Einhaltung ihrer Vorschriften persönlich zu überprüfen, fällt es doch selbst Fachleuten oft schwer, künstliche Materialien von natürlich entstandenen zu unterscheiden. Zudem sind letzten Endes auch alle Kunststoffe aus unserer Erde gewonnen.
Die Beispiele und Vorschläge für liturgiegerechte Formung wollen die Forderungen der liturgischen Konstitution erfüllen, das heisst: Aktualisierung des Gottesdienstes, die Actuosa participatio, die Wortverkündigung, das eucharistische Mahl usw. Der Liturgiker wird sich aber je länger je mehr fragen müssen, ob die von der Konstitution scheinbar nicht berührten vorkonziliaren Formen in der neuen Kombination ihre Konstanz erhalten. Wie die barocke Predigt verging, könnte es auch verschiedenen Funktionen, besonders im feierlich zelebrierten Gottesdienst, ergehen, so dass das, was wir heute als notwendig erachten, morgen überflüssig erscheint. So ist auch die Abkehr vom feierlichen Altar und die Hinwendung zum Tisch im Kern eine Abkehr vom Mythisch-Sakralen. Während zum Beispiel liturgische Gewänder am feierlichen Altar selbstverständlich sind, erscheinen sie an einem Tisch kaum mehr kongruent. Eine Kongruenz kann erreicht werden, indem wir den Tisch wieder verfeierlichen oder indem wir die Kleidung des Zelebranten schlichter machen. Gleiche Fragen stellen sich nicht nur dem Bildhauer bei jedem einzelnen Gegenstand des Altarbezirkes, sie stellen sich bei allen religiösen Äusserungen, sie stellen sich dem Pfarrer, dem Architekten und der ganzen christlichen Gemeinde.
Nahe bei diesem Fragenkomplex steht eine andere Frage, die zu entscheiden nicht dem Bildhauer zusteht, die er sich aber persönlich als Ausführender zu stellen hat: „Wie weit ist künstlerische Repräsentation christlich?“ oder anders: „Wie weit ist repräsentative Kunst letzten Endes überhaupt Kunst?“
