Vom Altar. Gedanken zu seiner Gestaltung

Axial-symmetrische Anordnungen bieten in vielen Fällen kaum mehr genügend wesentliche Möglichkeiten, um jeder einzelnen Situation das ihr zukommende Gewicht zu geben. Eine bis heute noch weitgehend ungenutzte Möglichkeit böte die Gestaltung des Bodenreliefs, in dem mittels einer freien, sinnvollen Führung der Stufen usw. eine sorgfältige Differenzierung der Höhenlage einzelner Schwerpunkte besser erreicht und ihre gegenseitigen Beziehungen sowie die Wege der Zelebranten deutlicher gezeigt werden könnten. Diese ebenso neue wie schwierige Aufgabe kann nur durch sehr frühzeitige Zusammenarbeit mit dem Architekten und Theologen entwickelt werden. Sicher machen wir uns die Aufgabe zu leicht, wenn wir glauben, eine Reihe vertikaler Achsen im Altarbereich günstig verteilen zu können, so die Vertikale des Altars mit Stufenberg, Priestersitz mit Stufen, Ambo, Sakramentspfeiler usw. Die Konstitution hat die Aufgabe des Bildhauers gewaltig erweitert. So enden die Überlegungen vom Altar in der Feststellung, dass dieser heute gar nicht mehr für sich allein betrachtet werden kann, wie dies vor dem Konzil noch irgendwie möglich war. Vielmehr muss der Bildhauer die verschiedensten Massen (Körper) gemeinsam im Raum organisieren, d.h. er muss einen einfachen, klaren Organismus schaffen, in dem der Altar wohl der bedeutendste Schwerpunkt, keineswegs aber ein isolierter Schwerpunkt sein darf. Erst wenn die Voraussetzungen für das Funktionieren des Gottesdienstes geschaffen sind und die Dinge im Raum die richtigen Beziehungen gefunden haben, ist eine skulpturale Durchbildung der Einzelheiten erwünscht oder berechtigt.

Die Entwicklung der profanen Skulptur in den letzten Jahrzehnten gibt dem Bildhauer für seine kirchlichen Arbeiten deutliche Fingerzeige. Sie hilft ihm, indem sie sich von einer Kunst des Volumens auch zu einer Kunst des Raumes entfaltet hat. Schon wenige Monate nach dem Erscheinen der liturgischen Konstitution ist im Bestreben, alles zu erneuern, die deutliche Gefahr einer Überinstrumentierung entstanden, sowohl in der Ausstattung des Altarbezirkes wie in den liturgischen Funktionen. Alte Kirchen mit ihren engen Chorräumen bieten oft schlechterdings keinen Platz für die gewünschten liturgischen Änderungen. So wird zum Beispiel die Frage, ob der Wortgottesdienst und das Mahl in zwei räumlich getrennten Bezirken vollzogen werden müssen, eine ernsthafte. Sie lässt sich keineswegs immer auf ähnliche Art lösen. Es stehen dem Liturgiker noch ganz andere Möglichkeiten offen, um visuell die zeitliche Trennung von Wort und Mahl deutlich werden zu lassen. Es sei mit Nachdruck verwiesen auf das Kapitel „Altar und Mahlbereitung“ im Buch von Sr. Augustina Flüeler „Das sakrale Gewand“ (NZN Buchverlag, 1964). Die dort geschilderten Möglichkeiten der Ausbreitung des grossen Corporales usw. machen den Beginn des Mahles deutlicher schaubar als jede Dislozierung.