Vom Altar. Gedanken zu seiner Gestaltung

Im Zusammenhang mit der Tischform oder Blockform des Altars sei hier auf einige Fragen und Konsequenzen hingewiesen, die heute noch einer sauberen Lösung harren. So oberflächlich es wäre, die Blockform nur aus traditionellen oder ähnlichen Gründen zu bewahren, so oberflächlich wäre es auch, die Tischform aus bloss pastoralen didaktischen Gründen zu fordern. So sehr wir es im Dienste der Pastoral begrüssen, wenn durch die Tischform des Altars der Charakter des Mahles den Gläubigen eindringlicher wird, so darf man keineswegs vergessen, dass es vielleicht das aller­tiefste menschliche Bedürfnis ist, an einem wirklichen Opfer teilnehmen zu dürfen. Es sollen hier keine Empfehlungen gegeben werden, weder für den Block noch für den Tisch, sondern es soll auf deren wesentliche Eigenart hingewiesen werden.

Schon kurz nach dem Erscheinen der liturgischen Konstitution wurden die Altäre nach einem stark gekürzten Ritus geweiht. Nach diesem Ritus zu schliessen, haben sich die für den Bildhauer entscheidenden Dinge nicht geändert:

  1. der Altar ist aus Stein, denn es werden auf ihm Feuer entzündet. (Auf einem hölzernen Tisch macht man kein Feuer.)
  2. der Altar ist unverrückbar, denn die Fugen zwischen Mensa und Stipes oder Block und Boden werden gersalbt. Diese Handlung setzt die Vorstellung einer direkten Verbindung des Altares mit dem gewachsenen Erdgrund voraus, ähnlich der Bestimmung des Aufbaues aus Natursteinen. Diese Vorstellung ist am deutlichsten aus der vorchristlichen Zeit übernommen.
  3. der Altar enthält ein Reliquiengrab oder steht auf einem solchen. Ein Umstand, der wiederum die Beziehung zur Erde sowie die Unverrückbarkeit einschliesst.

Diese drei Bestimmungen stammen alle aus einem Weltbild, das viel innigere Beziehungen zur Erde voraussetzt, als sie dem heutigen Stadtmenschen noch möglich sind. Es wird nicht mehr lange dauern, bis Gottesdiensträume etwa in den oberen Stockwerken eines Hochhauses eingerichtet oder unter einer ebenerdigen Kirche unterirdische Stockwerke gebaut werden. Damit wird den erwähnten Bestimmungen wortwörtlich der Boden entzogen. Zahlreiche isolierende Schichten liegen trennend zwischen Altar und Erde.

Aus diesen und ähnlichen Gründen wird der steinerne Altar, wie ihn die Kirche heute noch absolut fordert (ohne altare fixum keine Weihe der Kirche), ist in vielen Fällen problematisch. Ebenso ist auch der Sinngehalt der Weiheformel gefährdet.