Vom Altar. Gedanken zu seiner Gestaltung

Aber auch die Tischform kann wesentliche Nachteile zeigen. Während die Architekten in grossen, wichtigen Räumen für den freistehenden Altar mühsam den bestimmten, unverrückbaren Ort gesucht haben, entwertet die Tischform diesen gefundenen Ort aufs Neue und macht den Altar zu einem verschiebbaren Möbelstück. Die eine wie die andere Form müsste mit dem Verlust wertvollen Symbolgutes erkauft werden.

Auch die liturgischen Vorschriften tragen zur Problematik der Tischform bei. Überall dort, wo nicht der Raumcharakter einen schweren Steinaltar fordert, drängt sich schon von der Form her der Wunsch nach dem klaren, hölzernen Tisch auf, so zum Beispiel in allen saalähnlichen Gottesdiensträumen. Die liturgischen Vorschriften akzeptieren aber einen Holztisch an sich keineswegs. Sie gestatten ihn nur als Verkleidung des sogenannten steinernen Altare portatile. Damit sprechen sie klar die Unrichtigkeit, d.h. den Ersatzcharakter eines blossen Holztisches aus. Heute aber ist die Praxis so, dass ein grosser Teil der Altäre nicht mehr selber geweiht wird, sondern dass diese Altäre nur noch den Ersatzaltar umschliessen. Sicher ist das Altare portatile ein seinem Wesen nach richtig geweihtes Altärchen, wenn auch ohne die Bindung an die Erde. Seinem Aussehen und seiner Verwendung nach aber ist es ein armseliges, klägliches, verkrüppeltes Surrogat, der Ausdruck einer wirklichen Notsituation. Wo aber wirkliche Not ist, genügt auch ein Corporale oder noch weniger. Man denke an die Messen in Konzentrationslagern.

Für den Künstler nun ist die Gestaltung eines Altartisches aus Holz, der von der Kirche gar nicht als solcher akzeptiert wird, eine zumindest fragwürdige, wenn nicht unmögliche Aufgabe. Er hat nicht nur eine kleine Steinplatte, sondern ein ganzes Miniatur-Altärchen mitsamt einem Reliquiengrab zu verkleiden. Die Schwierigkeiten werden demonstriert an den derben Holztischen, die in einzelnen Domen für die Celebratio versus populum aufgestellt werden. Meist würde ein guter, schlichter Tisch, der zur Feier reich gedeckt, d.h. verhüllt würde, mehr vom Geheimnis des Altares sichtbar werden lassen. Leider bringt unsere Zeit wenig Verständnis für die Symbolkraft der Verhüllung auf. Der Sinn dafür könnte durch beispielhafte Lösungen geweckt werden. Solange aber die Unsitte, die Altartücher jahraus, jahrein liegen zu lassen, gar nicht als solche empfunden wird, werden bessere Vorschläge schwerlich durchdringen.

Für die Konzelebration braucht es nicht einen Altar, der über die normalen Masse hinausgeht, sondern es braucht genügend Raum, damit sich der Kreis der konzelebrierenden Priester gemäss ihrer Anzahl vergrössern kann.