Vom Altar. Gedanken zu seiner Gestaltung

Das Erscheinen der Konstitution über die heilige Liturgie stellt den Architekten und den Bildhauer vor neue, schwierige Aufgaben. Der Erleichterung, dass der Altar nicht mehr mit einem niedrigen Tabernakel verbunden werden muss, stehen neue Schwierigkeiten gegenüber. Die Probleme für den Bildhauer sind zum grossen Teil architektonischer Natur, für den Architekten skulpturaler Natur geworden; die Anforderungen durchdringen sich gegenseitig.

Der Altar ist geistiges Zentrum geblieben, ja noch in hervorragenderer Weise geworden. Das Tabernakel findet zum Beispiel auf einem Sakramentsaltar einen Ort, wo es wieder voll entfaltet werden kann. Die grössten Schwierigkeiten beginnen aber mit der Häufung der Anforderungen in gewöhnlichen Pfarrkirchen; auf verhältnismässig kleinem Raum sind organisch und funktionell richtig einzubauen: Altar, Sakramentsaltar oder -gehäuse, Ort der Verkündigung mit Lesepult, Priestersitz, Vortragskreuz. Dazu werden in unmittelbarer Nähe des Altarbezirkes oft noch gefordert: Platz für die Schola, für eine kleine Orgel, eine Taufstelle, Lektorensitze, Ort für die sichtbare Deponierung der Heiligen Schrift, Kredenz, Leuchter, Ministrantenplätze.

Schon die blosse Aufzählung zeigt, dass die primäre Aufgabe des Bildhauers nicht in der skulpturalen Durchbildung der einzelnen Gegenstände bestehen kann, dass vielmehr deren gegenseitige Zuordnung und funktionelle Richtigkeit vorgängig entwickelt werden müssen. Von einer Rezeptierung oder gar starren Reglementierung darf vorläufig nicht die Rede sein, es sei denn, man wollte das nur langsam Wachsende im Keim ersticken. Die bisherigen Erfahrungen zeigen mit grösster Deutlichkeit, dass die Liturgiker allein keineswegs in der Lage sind, diese Fragen formal befriedigend zu lösen. Sie bedürfen dringend der Mitarbeit der Künstler.