Hier zeigt sich denn auch die unerhörte Wichtigkeit einer starken und sauberen Architektur, die etwas vom Erhabensten und Geheimnisvollsten schafft: die Raumsubstanz (das, was zwischen den Wänden lebendig sein soll), die dafür garantiert, dass Altar, Zelebrant und Volk nicht im Leeren stehen. Denn dann stünden nicht nur diese im Leeren, sondern die liturgische Handlung selber. Was es aber für eine Gemeinde bedeutet, wenn jahrzehntelang die heiligen Handlungen in substanzlosen Kirchenräumen vollzogen werden müssen und dadurch ihre volle Wirksamkeit gar nicht fühlbar werden kann, das weiss und bedauert jeder in dem Masse, als er fähig ist, solche Dinge zu spüren.
Der Umstand, dass der Altar von der Wand losgelöst und in den Raum hineingestellt wurde, hat ihn nicht etwa nur dem Volke näher gebracht, sondern ihn ganz wesentlich verwandelt. An der Wand wurde der Altar mit dieser zusammen gesehen, d. h. er ergab mit seiner Umgebung zusammen ein optisches Bild. Der Altar im Raum aber wird ein eigenständiges Ding. Dieses gehorcht nicht mehr optisch-flächigen Gesetzen, sondern haptisch-greifbaren, räumlichen. Die breite Form mit geringer Tiefe, vor der man an der Wand nur hin- und hergehen kann, verliert im Raum ihren Sinn. Hier aber gewinnen alle Seiten die gleiche Wichtigkeit. Die Abriegelung des Raumes durch einen langen quergestellten Körper wird unerwünscht, ebenso die geringe Tiefe. Der Altargrundriss nähert sich also mehr dem Quadrat. Die Proportionen des langen Altares, die im optischen Bild an der Wand noch erträglich waren, würden im freien Raum monströs. Der freie Altar erhält wieder einen menschlichen Massstab, und Assistenz wie Gläubige werden zu Circumstantes. Ebenso müssen auch die Funktionen am Altar ihre Rück- oder Vorderfassaden verlieren und zu deutlichen Funktionen im dreidimensionalen Raum werden.
