Der Bildhauer Albert Schilling

Besser als mit dem Auge sei dieser qualitative Unterschied mit dem Tastsinn der Haut spürbar „Unsere optische Zeit leidet an einem katastrophaIen Verlust des Tastsinns“, sagt der Bildhauer. Es sei der ursprünglichste Sinn des Menschen. Schon im Mutterleib habe der Embryo als erstes den Tastsinn entwickelt. Er spüre den direkten Kontakt mit der Mutter. „Der Tastsinn braucht kein Übertragungsmedium, wie zum Beispiei das Ohr, das die SchalIwellen braucht. Auch das Licht (Farbe) braucht die Luft. Der Tastsinn lässt Dasein, Präsenz, handgreifliche Gegenwart im spürbaren Gegenüber erleben“.

Heute, wo rustikale Oberflächen gieichsam Mode geworden sind, fallen einem bei den Skulpturen Schillings die polierten Oberflächen besonders auf. Der Künstler kennt den Einwand, seine Arbeiten seien auf diese Art kalt und allzu perfekt. „Natürlich habe ich meine ganz eindeutigen Gründe, warum ich meine Steine poliere“, erklärt der BiIdhauer. „Damit werden die Ietzten handwerklichen Spuren des Bildhauers entfernt. Die Haut (der sogenannte Beitzschlag), die den Stein, das Volumen überzieht, wird abgelöst und so die Struktur des Steines freigeIegt. Damit ist auch die AbIösung vom Künstler vollkommen. Es ist dies die höchste erreichbare Präsenz“.