Der Bildhauer Albert Schilling

Ein grosser Teil des Werkes Albert Schillings ist der kirchlichen Kunst gewidmet. Er gehört zu jener kleinen Gruppe von Künstlern, die zusammen mit einem Grüppchen von Theologen, bereits lange vor der Konstitution über die Liturgie, das Ziel verfolgt, Architektur, Plastik und Kunsthandwerk gIeichberechtigt dem übergeordneten Ganzen, dem Gottesdienst und seinem Raum unterzuordnen. Die Realisierung dieser neuen Förderungen geht nach dem Krieg nicht ohne Auseinandersetzungen und Kämpfen mit Ordinariaten, kirchlichen Kunstkommissionen und Pfarrherren vor sich.

Zwar gelingt es Schilling, seine VorsteIlungen von zeitgenössischer christlicher Kunst zu reaIisieren, doch sein Werk wird nicht überall geschätzt. Zwei seiner Kruzifixe, das eine in Mannheim, das andere in Zug, werden auf bischöfliche Weisung gar entfernt! Zufällig sieht der Bildhauer eines Tages eine Sonntagsausgabe des Osservatore Romano, wo sein verbotenes Zuger Kruzifix in verzerrter Foto unter dem Motto „Gotteslästerung im Bilde“ abgebildet ist. Und Ironie des Schicksals: Zehn Jahre später wird das gleiche Kruzifix in besserer Aufnahme in der gleichen Zeitschrift wieder reproduziert unter dem Titel „Hervorragende Schweizer Künstler“. Schilling nimmt diese Demütigungen eher gelassen hin. Auch der jahrzehntelange Kampf um die Erneuerung der sakralen Skulptur verbittert ihn nicht. Doch Schilling weicht nicht von seinem Weg ab. Mit Erfolg, denn schliesslich werden die Postulate der Künstler, die sich für eine neue sakrale SkuIptur einsetzen, von der Kirche anerkannt.

Schilling hat diese Schlacht in den vordersten Reihen mitgekämpft. „Die Bischöfe werden diesen Pionieren christlicher Wahrheit, die für sie und durch sie manches unblutige Martyrium erlitten haben, nie dankbar genug sein können“, schreibt Hans Urs von BaIthasar in der Monografie über AIbert Schilling.