Der Altar – einige Überlegungen zu seiner jüngsten Entwicklung

Im Fall eines Innenraums mit geringen Abmessungen scheint uns die axiale Anordnung immer weniger den neuen Gegebenheiten zu entsprechen. Ein asymmetrischer, mit Strenge entwickelter Plan kann im Gegenteil erhebliche Vorteile bieten. Er ermöglicht nicht nur, den Chor der Sänger in die Nähe des Altars zu bringen oder die Anordnung des Eingangs, des Taufbeckens und der Beichtstühle besser zu bestimmen – er ist auch der einzige, der dem Altar des Allerheiligsten Sakraments eine ihm würdige Platzierung geben kann, ohne seiner Intimität zu schaden. Und wir denken, dass auch der Bildhauer darin glückliche Gelegenheiten zur Gestaltung finden kann.

Man muss zum Schluss wohl anerkennen, dass in der Erneuerung der letzten Jahre nicht alles vollkommen ist. Wir könnten ihr insbesondere vorwerfen, zu sehr rückwärtsgewandt, zu sehr mit ihren historischen Vorläufern beschäftigt gewesen zu sein. Aber insgesamt haben die schönsten unserer modernen Kirchen Grund, uns zufrieden zu stellen. Vielleicht stellen sie sogar innerhalb der liturgischen Bewegung das Greifbarste und Positivste dar, was uns mehrere Jahrzehnte der Bemühungen hinterlassen haben.

Der Altar insbesondere hat den Platz wiedergefunden, den ihm seine architektonische Bedeutung zuweist. Losgelöst von der Wand strahlt er in der Mitte des Raumes, dem er Leben und Poesie verleiht. Er besteht nicht mehr aus einer Fassade voller Zierrat, die eine Leere verbirgt; er ist nicht mehr ausschliesslich für den Blick der Besucher mit einem schlichten Vorhang aus Stein oder Brokat geschmückt. Durch sein Material wie durch seine Form bietet er sich unserer Wahrnehmung in der Fülle einer Fläche dar, die in greifbarer und offenkundiger Weise dazu bestimmt ist, als Träger des Opfers zu dienen – und zur Ehre des lebendigen Gottes.