
Einige moderne Kirchen haben alles aufgegeben. Der Altar hat die Apsis oder die Chorwand, die ihm architektonischen Halt gab, verlassen. Er hat den Schutz des Ziboriums verloren, dessen Ursprung auf das christliche Altertum zurückgeht. Er hat weder Säulen mit Vorhängen, noch einen Triptychen-Schrank, noch ein Antependium. Nur zwei Leuchter sind ihm geblieben, und diese werden separat auf dem Boden platziert. Das Kreuz, das nun Prozessionskreuz ist, wird bei Ankunft des Zelebranten vor ihm befestigt. Schliesslich sind die Altartücher und Decken auf ein striktes Minimum reduziert, und oft, mangels Zeit, sich darum zu kümmern, bleiben sie wochenlang unangetastet.
Diese Gesamtsituation zwingt uns dazu, der Form des Altars selbst äusserste Aufmerksamkeit zu schenken. Und zunächst muss man wissen, dass ihn bloss zu verlängern (quantitativ, materiell) ihm kaum mehr Masse verleiht. Im Gegenteil, es zerstreut ihn, dezentriert ihn. Seine Enden werden zu einer Art Kanzel für die Lesung der Epistel und des Evangeliums, und nur der mittlere Teil erfüllt wirklich die Funktion des Altars. Was die Frage betrifft, ob man die Form eines Tisches oder die eines massiven Blocks wählen sollte – sie lässt sich nicht allein auf theoretischem Wege lösen. Sie hängt vor allem von der Art des zur Verfügung stehenden Raumes ab. Ein sehr grosser Chor verlangt nach einer mächtigen und massiven Altarform. Der Altar in Tischform ist daher eher einer Kapelle oder einem einfachen Raum vorbehalten. In jedem Fall scheint es gefährlich (wenn nicht irrig), zu behaupten, der massive Stein verweise auf das Alte Testament, während der Tisch dem Neuen zugehöre. Andererseits verteidigen viele Liturgiker den Tischaltar aus pädagogischen Gründen, in der Hoffnung, den Gläubigen besser zu vermitteln, dass die Messe ein Mahl ist, und dass die Altarform selbst zur Teilnahme einlädt.