Diese räumliche Befreiung hatte einen grundlegenden Einfluss auf die Struktur des Altars. Er hörte auf, Teil der Chorwand zu sein, und gab nach und nach seinen Charakter als Fassadenelement auf, um die Würde eines eigenständigen architektonischen und skulpturalen Elements zu erlangen.
Er wurde somit vom beschützenden Aufbau der Retabel, Leuchterbretter und Antependia gereinigt und begann, sich allein im Raum zu behaupten.

Solange er an der Wand verblieb, war seine Oberfläche im Allgemeinen deutlich breiter als tief. Die neue Aufstellung erzwang schnell eine quadratischere Form, die eine gleichmässige Sicht auf allen vier Seiten bot. So verlagerte sich die Dekoration ganz natürlich vom Typus des Antependiums zum des Circompendiums. Andererseits zwangen die relativ geringen Abmessungen des Altars den Diakon, den Subdiakon und die anderen liturgischen Helfer, sich ebenfalls an die Seiten zu stellen und zu echten circumstantes-Zelebranten zu werden. Aus visueller Sicht neigten die heiligen Handlungen also dazu, die Reihung der Rücken der Zelebranten aufzugeben, um im Raum eine wirkliche Bedeutung zu erhalten. Der gesamte Plan der Kirche – einschliesslich der Gestaltung des Kirchenschiffs – folgte dieser Bewegung und wurde entsprechend angepasst.
Das beträchtliche Interesse an diesen Veränderungen darf uns nicht über einige Nachteile hinwegtäuschen. Der erste wäre zweifellos, die Entkleidung zu weit zu treiben. Denn eine „Reinigung“ allein löst nichts. Man muss sich bewusst bleiben, was man aufgibt.