Lassen Sie mich schliessen mit ein paar Sätzen aus meinem Buch im Aufsatz über den Kircheneingang. Mutatis mutandis gelten sie für alle künstlerische Arbeit.
„Es kann nicht darum gehen, dass der Bildhauer mit seinen Skulpturen am Eingang die Grösse, Würde oder Erhabenheit des Kirchenraumes gleichsam schon von aussen vorspiegelt oder repräsentiert. Sicher bietet sich dem Bildhauer kaum eine köstlichere Gelegenheit, seinen skulpturalen Sinn zu entfalten, als dies etwa eine Bronzetüre gestattet. Aber die innere Berechtigung für einen solchen Aufwand wäre nur gegeben, wenn viele andere Voraussetzungen für einen Kirchenbau unserer Zeit: städtebauliche, sozioIogische, pastorale, architektonische usw. vorgängig glücklich gelöst wären. Dann erst könnte sich zeigen, ob etwa der Aufwand eines Bronzeportals überhaupt noch wünschenswert wäre. In unseren Städten sind jene Kirchen die zukunftsträchtigsten, die eingebaut sind in ein Pfarreizentrum, das nach aussen kaum mehr eine sogenannte Fassade aufweist, dafür aber im Inneren eine umso grössere Geborgenheit spürbar macht. Wenn bei solchen Lösungen auch die entscheidende Gestaltung beim Architekten liegt und es scheinbar kaum ersichtlich ist, was der Bildhauer beitragen kann, so wäre es doch schade, auf seine Mitarbeit verzichten zu wollen; verfügt er doch über viel differenziertere Mittel, sowohl zur Intensivierung eines Volumens wie zur Sensibilisierung des Raumes. Es sind dies Qualitäten, die dem Menschen seine eigene Körperlichkeit intensiver fühlbar machen und damit auch das Erlebnis des Hinein- und Hindurchgehens, aber auch des Daseins, Hindurchgehens von dem Gehetztwerden zur Geborgenheit. vom Wirrwarr in die Einfachheit, vom Lärm in die Stille, von der Zerstreuung in die Sammlung. Übergänge, die vom Künstler einen Verzicht auf alles Demonstrative oder gar Monumentale voraussetzen. Wir haben uns leider daran gewöhnt, nur das Aussergewöhnliche, das zum Notwendigen noch Hinzugefügte als Kunst zu betrachten, also gerade das, worauf wir unserer engen Situation der stets wachsenden Diaspora verzichten könnten oder oft müssten. Aber gerade dieser Umstand ist geeignet, ins Gebiet der wirklichen Kunst vorzustossen, in jene gestalterischen Bereiche, wo wir nicht mehr mit dekorativen Mitteln eine Situation zu übersteigem versuchen, sondem mit den primärsten und einfachsten Mitteln den Räumen und Situationen die grössmögliche Dinglichkeit verleihen. Damit lassen wir jene herkömmliche sogenannte Kirchenkunst weit hinter uns und finden den Weg zu dem, was wir vielleicht erst später als wirkliche Kunst erleben.“
