Fragwürdiges – würdig zu fragen

Am fragwürdigsten von allen Kultgegenständen, die der Bildhauer nach dem Konzil für eine Kirche schaffen soll, ist der Taufstein geworden. Art. 70 der Konstitution bestimmt, dass das Taufwasser ausserhalb der Osterzeit, jeweils durch einen kurzen Ritus geweiht Werden kann. Damit ist er als Aufbewahrungsgefäss überflüssig geworden, oder wohl „unterflüssig“, nachdem schon vor dem Konzil z.B., wie man mir sagte, im EIsass mehr als die Hälfte der Taufsteine kein Wasser mehr enthielten. Welche Mutter näht ihrem Kind ein Kleid, wenn sie weiss, dass es dies nie anziehen wird? Sind nicht die Liturgiker selber im Unklaren, wo der Taufstein aufgestellt werden soll? Taufe als Initialsakrament: also ist sein Platz am Eingang. Taufe als Voraussetzung zum Empfang der Eucharistie: also als Gegenpol Aufstellung bei dem Altar. Taufe als Aufnahme in die Christengemeinschaft: also soll der Taufbrunnen vor dem Volk seinen Standort finden.

Gibt nicht die Liturgische Konstitution selber einen Hinweis, da sie nie von einem Taufstein redet, sondem immer nur von einer Taufstelle? Dass der Taufstein selber kein Instrument des Sakramentes ist, zeigt auch der Umstand, dass es nie eine Taufsteinweihe gegeben hat. In der St. Bernhardskirche zu Mannheim habe ich ein letztes Mal versucht, mit einem Taufstein eine feierliche Taufsituation zu schaffen, wo sowohl Priester wie Volk ihren bestimmten Platz haben. – Um den Schwierigkeiten zu entgehen, welche durch Chlorgehalt, Metalloxyde, fragwürdige Hygiene etc. entstehen, wurde vielerorts ein laufender Taufbrunnen eingerichtet. Der nüchterne Betrachter wird sich fragen, ob es sich bei diesen Taufbrunnen um eine gefasste Quelle handle, oder ob es das gleiche Wasser, wie in der Sakristei aus der städtischen Wasserleitung sei. Der technisch orientierte wird sich fragen, ob es sich hier, wie bei den meisten Brunnen, die kein Trinkwasser liefern, um eine Umwälzpumpe handle. Weil wir keine Form haben, um das beständige Bewusstsein der in der Taufe gewonnenen Gotteskindschaft wach zu halten, müssen wir uns an diese Dinge, dieses Gefäss klammern, damit es uns an den vergangenen Akt der Taufe erinnere. Es ist sehr schwer, statt der Dinge die Menschen aufzuwerten. Mir scheint es selbstverstandlich, dass die Taufe vor der Gemeinde zu geschehen hat.