Im Mai/Juni-Heft dieses Jahres der Kunstzeitschrift Das Münster schreibt Frédéric Debuyst, OSB., Mitredaktor der Art d’Eglise und Dogmatikprofessor in Brügge in einem Aufsatz Kritische Gedanken zum Kirchenbau der Gegenwart: „In der Wallfahrtskirche von Ronchamp werden auf einmal alle Möglichkleiten der genannten ‚organischen‘ Architektur und der als ‚totales Kunstwerk‘ gedachten Kirche dargestellt‥.. solche Monumentalität lag viel näher an der Skulptur als an der Architektur. Soziologisch gesehen handelt es sich hier um eine viel aggressivere Monumentalität als je zuvor“.
Und etwas später im gleichen Beitrag: „Aber nach 1956 (dem Baujahr von Ronchamp) beschleunigt der Impuls von Ronchamp die Entwicklung so sehr, dass sie ihre Natur selbst ändert. Man bricht dann brutal mit der Achsensymmetrik und mit anderen traditionellen Regeln, die die kirchliche Architektur seit Konstantin kennzeichneten. An und für sich ist ein solche Befreiung nomal (und sogar unvermeidbar). Aber sie wurde übertrieben, indem man versuchte, allen möglichen Kirchen, sogar den einfachsten Dorfkirchen, den lyrischen Schwung von Ronchamp zu geben, und aus jeder Kirche ein ‚Werk totaler Kunst‘ zu machen. In der Schweiz z.B. wurden beinahe alle Architekten von dieser Idee beeinflusst, vom Fieber dieser Entdeckung vergiftet…
In dem herrschenden Wettkampf war es sehr schwer, die Übertreibung zu meiden, Sich vor der Versuchung der Megalomanie zu befreien.

Im Grossen und Ganzen stellen die Bauten dieser Periode in der Schweiz nichts anderes dar, als eine neue Entwicklung des alten Strebens nach Monumentalität. Die liturgischen Einrichtungen sind hier aussergewöhnlich erfinderisch und vollstandig, aber sie fesseln die liturgische Handlung in eine starre Bühne aus Mamor und Beton, wo jede Bewegungsfreiheit ausgeschlossen wird. Es ist alles bereitet, als ob die Einrichtung selbst allein die ganze Realität des christlichen Geheimnisses umfassen sollte, und der Versammlung der Gläubigen bloss eine theoretische Priorität zuzuschreiben ware. Soll das der Sinn unserer Kirchen sein? Ist das die Absicht des II. Vatikanischen Konzils?“
An anderer Stelle schreibt P. Debuyst, OSB.: „Die Kirchen der Zukunft werden, wenn Sie wirklich gute Kirchen sein sollen, viel eher wie schlichte Häuser, denn wie die Kirchen von heute oder gestern aussehen.“ (Ähnliche Gedanken sprach Hugo Schnell in seinem Beitrag zum 20. Jahrgang des. Münsters bereits im l. Heft Januar 1967 aus.)
Aber schon im Jahre 1960 wurden in Lyon Projekte erarbeitet, wo vor sehr langen Hochhäusern mit je 600 Wohnungen ganz niedere ein- bis zweistöckige Bauten lagen für Einkaufszentren, Kindergärten usw, und in der gleichen schlichten Art und Höhe auch die Kirchen geplant wurden.