Aufschlussreich wäre es, wenn man in Bezug auf die Liturgiefahigkeit den Einfluss eines grösseren oder kleineren Ritualismus und Formalismus untersuchen würde. Vor dreissig Jahren hat uns das Büchlein Liturgie als Spiel von Romano Guardini bewegt. Heute hat der Mensch „Spiel“ in Überfülle. Er sucht aus der Unrast und dem akustischen und optischen Beschuss die Stille in der Institution des Heiles.
Nach allen diesen Uberlegungen dürften sich auch die Fragen nach den einzelnen Objekten im Altarbezirk einfacher stellen.
Frédéric Debuyst wird mir beipflichten, dass es heute leichter ist, ernsthaft Kritik anzulegen, als vor drei Jahren den direkten Weg zu finden. Damals wurden, um den Auftrag der actuosa participatio, der aktiven Teilnahme, zu verwirklichen, drei Dinge als wesentlich erachtet: Altar, Ambo. Priestersitz. Aber noch waren auch die Liturgiker von einem ausgesprochenen Ritualismus befangen. Selbst führende Persönlichkeiten frugen sich in einem im Verlag Herder im Januar 1964 erschienenen Aufsatz, ob bei der Conzelebration der Sitz des Hauptzelebranten eine Stufe höher sein solle, als der der übrigen Priester; ob der Sitz des Bischofs noch eine Stufe höher sein sollte und sie wünschen, dass diese Fragen abgeklärt werden, um die Resultate fixieren zu können. Solche Anfangsschwierigkeiten sind bei vielen Liturgikern überwunden. Aber die Steine, die wir auf Grund ähnlicher Überlegungen gefertigt haben, stehen und werden noch lange stehen: dank ihres Gewichtes.
Es wäre aber falsch zu glauben, dass heute die Situation viel abgeklärter sei als damals. Das neue Messformular sei nicht vor zwei Jahren zu erwarten; die Taufe wird von Grund auf neu bearbeitet; für den Altar müssen aus äusserer Notwendigkeit in absehbarer Zeit neue Weisungen ergehen. Es ist zu hoffen, dass sich die elastische Situation von heute bald wieder verfestigt, aber nicht zu einer untragbaren Starrheit. Ist es aber in unserer noch unklaren Situation richtig, wenn wir uns gleichsam auf ein Unveränderliches einrichten? Liegt es nicht in der Notwendigkeit unseres Denkens, dass wir ein Problem solange weiterentwickeln, bis es seine möglichst eindeutige Lösung gefunden hat?

Wir haben den Chorbogen entfernt, den Einheitsraum entwickelt, den Altar zum Volke gerückt und manch anderes getan oder erreicht. Werden wir stehen bleiben bei den hölzernen Bankblöcken, welche einem mehr bühnenmässigen Steinbezirk gegenüberstehen? Es wird augenscheinlich kaum etwas Besseres geben, um den Laien die aktive Teilnahme klar zu machen, als eben auch eine räumliche Teilnahme. Die actuosa participatio hat zwei Seiten. Geht die Forderung an das Volk oder an den Celebranten, sagen wir besser, den Priester? An das Volk, das jahrzehnte-, Jahrhundertelang zwischen Chor und Empore eingespannt war und sich ein Missale kaufte, das meistverlangte Buch bei Pustet, Herder und Benziger. Das Volk kann nur antworten, wenn es wirklich angesprochen wird, Wenn das Wort nicht nur celebriert wird, sondern unentziehbar ankommt.