Fragwürdiges – würdig zu fragen

Inzwischen tagte das Konzil. Wenn wir die Konstitutionen in uns aufnehmen, ist es uns, als wären über die Erde überall kleine und grössere Lichter aufgesteckt worden, die sich entfalten sollen. Wenn wir aber zwischen den Zeilen lesen, könnte uns das Buch erscheinen wie ein Scheinwerfer, der nicht nur Lichter, sondern lange schwarze Schatten auf der Erde erscheinen lässt. Wir Künstler werden begreifen, dass die Kunst für die Kirche nicht die vordringlichste Aufgabe darstellt neben den ungezählten Problemen z.B. dogmatischer, ethischer, pastoreller, soziologischer, ökumenischer, missionarischer Natur. So ist die Kirche aufgerufen. Ihre Kräfte mit äusserster Sorgfalt und Sparsamkeit einzusetzen. Was aber getan wird, muss mit grösster Konzentration geschehen, sowohl aus der Forderung von aussen, wie aus der Forderung von innen. Das bezieht sich auch auf die Kunst und Liturgie.

Bischof Hermann Volk von Mainz hat einen Aufsatz veröffentlicht mit der Frage nach der Liturgiefähigkeit des heutigen Christen. Er stellt z.B. einige Gegensatzpaare auf, so den ekklesioIogischen Charakter der Liturgie gegen den Individualismus, die passiven Forderungen gegen den aktivistischen Menschen, den Gläubigen gegen den intellektualistischen.

Bischof Volk bejaht am Schluss des Aufsatzes diese Liturgiefähigkeit, wenn auch etwas zaghaft. Zwei eingestreute Gedanken prägten sich mir besonders ein: wenn der gottebenbildliche Mensch nicht zu Gott kommt, kommt er auch nicht zu sich selber. Dann der Gedanke des Hineingenommenseins in das Opfer Christi. Die Liturgiker fügen wohl der Liturgiebereitschaft des Volkes einen ungeheueren Schaden zu, wenn Sie glauben, den Mahlcharakter der hl. Messe auf Kosten der Opfersubstanz betonen zu müssen. Der Name Eucharistiefeier ist nur tragbar, wenn dabei der Begriff des Messopfers stehen darf. Was will der sündige Mensch beim heiligen Mahl, wenn er seine Schuld nicht gleichzeitig in Christi Opfer versenken darf?