Reinhold Schneider: Bildhauer und Dichter

Bildhauer:

Und doch war alles in der Uhr beschlossen,
Zeitlos gedacht, entfaltet in der Zeit.
Die Bilder gehn, zu werden, was sie waren,
Die Sternenwolken fluten in sich selbst
Und brechen vor, ein sprühend Feuerrad,
Darin, umblüht vom Palmwuchs seiner Inseln,
Gepeitscht vom Schrecken todesmächtiger Stürme,
Das Leben staunt und hofft, zerbricht und betet.
Die Welt ist Zeit als Wort des Seins. Ich bin
Mit meines Herzens Herz der Welt verfallen
Und treibe glücklich bildend auf dem Strom.
Gestalt ist alles. Sie hervorzutreiben,
Wie sie von Anfang war und werden will,
Das Werden hin zum Sein ist mein Beruf,
Die Weisheit Griechenlands.  Ich blicke
Am heiligen Abend flüchtigen Feiertags
Vom Sitze über meiner Werkstatt nieder
– Nur selten wag‘ ich es, die Tür zu öffnen,
Bedenklich ist’s, versuchende Gefahr,
An dem vollbrachten Werke sich zu freun –
Ich sehe Dasein, und ich durft‘ es formen,
Ein Garten, der heraufschwillt: um mich blüht
Das Haus; Du selber, Gast, der nirgends weilt,
Bist schon in diese Welt gebannt; hier bist
Du da. Dieselbe Kraft die Feuerbälle
Und Erden formt – ist auch in mir. Was ist
Gering? Und was ist gross? Das Ungeheure
Als Abbild ist’s, im Staubkorn. Das Vollendete,
Ob ich’s umschliesse mit der Hand, als Spielzeug
Auf meinem Schreibtisch stellen darf, ist Alles.
Und wenn Du Dich dem Strome übergibst,
Der in Dir drängt und Dich zerschmettern will,
Und den Du liebst, wie man nur Schmerzen liebt,
Hier bist Du da, als Bild und Stein und Gast.

Dichter:

Ich bin’s als Gast, der immer wiederkehrt.