Reinhold Schneider: Bildhauer und Dichter

Dichter:

Du kannst mir nicht verwehren, dass Dein Werk
Mir tönt vom Schicksalsliede meiner Welt,
Und König, Heiliger, die Bettlerin,
Soldat und Knecht wie an der Uhr zu Prag,
Wenn Mittag schlägt, hervorziehn über
Dem Zifferblatt; und jeder, traumbezwungen,
Erhebt sich zur Gebärde, die ihn aussagt,
Der einen, unvergesslichen, und ist
Und zieht, im Rade kreisend; schmerzlich
Ermattet sinkt die Hand, der Nacken zuckt
Und knickt. Er muss ins Tor. So treten Völker
Ins Mittagslicht, die Welt mit ihrem Wort
Zu grüssen, ahnungsvoll, denn ihre Seele
Begegnete im Ursprung dem Geschick
Und über, unter ihnen in den Tiefen,
Die nie ihr Blick erreicht und sucht, bereitet
Das Licht den Sternenwolken ihre Bahn:
Sie fliehn ins Ungeheure auseinander,
Und wo sie sind, ist Raum und Zeit, und wo
Sie nicht sind – nichts, das Undenkbare.
Doch meines Lebens schmerzliche Sekunde
War nicht ein Sandkorn in der Mitternacht
Der Meerestiefe unterhalb des Lebens.
Und niemand schaut das Spiel der Strahlenkräfte,
Die zwischen unzählbaren Welten weben;
Wenn auch nur eine stürzt’ aus dem Gefüge,
Nur ein einziger Splitter, wäre nichts.
Mein Herz erstarrt, mein Geist zerstäubt an Zeit.
Denn hinter dieses Meers Vergänglichkeit
Ist Unerhörtes, das schon war und kommt.