Die von der modernen „abstrakten“ Plastik erstmals gebotene Äquivalenz von Konvex und Konkav entspricht einem dialogischen Verständnis des Wesens zur Welt und zu Gott hin; Schilling hat in seinem Nachdenken über den christlichen Altar und dessen verborgene marianische Funktion dieses Prinzip auch auf einzelne seiner grossen Tischplastiken angewandt, um die er die christliche Gemeinde versammelt sehen will.
Ein grosser Teil des Werkes Albert Schillings ist der kirchlichen Kunst gewidmet. Er hat dieses Werk als Dienst an der Kirche, vor allem an ihrem öffentlichen Gottesdienst, ihren Sakramenten und Sakramentalien, verstanden. Die aufgezeigten Voraussetzungen, verbunden mit seiner aussergewöhnlichen skulpturalen und optischen Begabung, berechtigten ihn, von seinem Standpunkt der plastischen Wahrhaftigkeit aus die nötigen Forderungen an die Liturgen zu erheben. Er gehört zu jener kleinen Gruppe von Künstlern, die, lange vor der Konstitution über die Liturgie, aus zugleich christlichen und menschlichen Erwägungen jene Postulate erhob, die dann samt und sonders von der Kirche anerkannt worden sind. Aber welchen schmerzlichen Weg mussten diese paar Einzelnen jahrzehntelang gehen, was für Demütigungen bei den Ordinariaten, kirchlichen Kunstkommissionen, Pfarrherren auf sich nehmen! Die Bischöfe werden diesen Pionieren christlicher Wahrheit, die für sie und durch sie manches unblutige Martyrium erlitten haben, nie dankbar genug sein können. Diese wenigen Künstler haben, ohne sich verbiegen zu lassen, zusammen mit einem ebenso kleinen Grüppchen von Theologen den guten Kampf durchgekämpft, die Kirche vor solche vollendete Tatsachen gestellt, dass davor auch den Blindesten allmählich die Augen aufgehen mussten. Wenn anfangs aufgezwungene Kompromisse unvermeidlich waren, so haben diese Unnachgiebigen doch Jahrfünft nach Jahrfünft an Boden gewonnen, sie sind selber im Kampf für die Kirche gegen die Kirche gewachsen, und sie konnten zuletzt reife, man kann ruhig sagen: klassische Werke hinstellen.