Die Arbeit im Würzburger Dom beschäftigte Albert Schilling – mit Unterbrechungen – immerhin ein gesamtes Jahrzehnt. Kein anderer Auftrag lässt sich wohl mit dessen Dimensionen messen. Geleitet war er dabei immer von seiner Vorstellung keine reine Ausstattung zu schaffen: „Die Aufgaben des Bildhauers beim Kirchenbau – wie Altar, Ambo, Portal – dürfen keine ‚Ausstattungsgegenstände‘ werden, etwa so, wie man in einen profanen Raum die Dinge des Gebrauchs und des Schmuckes hineinstellt. Seine Aufgabe ist es, das, was in der Architektur begonnen ist, zu ergänzen, d.h., die den Handlungen und Orten gemässen Dinge und Situationen zu schaffen. Er hat nicht die Dinge vor allem ’schön‘ zu machen, als sie zu ‚verzieren‘, sondern er hat sie von ihrem Wesen her zu realisieren.“
Hinter dieser philosophisch begründeten Aussage steht bei Albert Schilling auch die Idee des „Gesamtkunstwerkes“, die im 19. Jahrhundert unter anderem durch Richard Wagner betont wurde (siehe untenstehende Definition). Bereits der Kirchenbau des Barock und Rokoko trachtete nach einer Verschmelzung der Künste zu einem einheitlichen Raum(eindruck), wie erst unlängst in der Ausstellung „Mit Leib und Seele. Münchner Rokoko von Asam bis Günther“ in der Kunsthalle München betont wurde. Der moderne Kirchenbau hat diese Idee aufgegriffen und Albert Schilling war sicherlich einer der Exponenten, der sie mit grösstem Elan betrieben hat. Er setzte sie im Würzburger Kiliansdom mit grosser Zielstrebigkeit um, auch gegen manche Widerstände. Entstanden ist so ein Werk von zeitloser Schönheit und Gültigkeit.
