Schöpferische Formwerdung

Als Mensch und Künstler bewegte sich Albert Schilling in einem Netz von Beziehungen, unter denen die Kontakte zu den beiden katholischen Schriftstellern Werner Bergengruen (1892 – 1964) und Reinhold Schneider (1903 – 1958), zum Architekten Fritz Metzger sowie zu dem Theologen Hans Urs von Balthasar (1905 – 1988) sicher prägend waren. Mit dem profilierten Architekten und Kirchenbaumeister arbeitete Albert Schilling vielfach zusammen. Die beiden Schriftsteller hatte er porträtiert. Deren literarisches Werk war in der jeweiligen Geradlinigkeit sicherlich Ansporn für den Künstler, der selbst immer wieder wegen seines konsequenten Schaffens in Konflikte geriet.

Gerade im kirchlichen Raum, für den Albert Schilling so prägend war, traf er ähnlich wie der Theologe und Verfasser einer dreibändigen theologischen Ästhetik, Hans Urs von Balthasar, nicht immer auf Verständnis. Der Einfluss des bedeutenden Theologen auf den Künstler, der kein Jahr nach Albert Schilling in Basel verstarb, ist noch näher zu untersuchen. Ihm soll das letzte Wort gehören: „Was er [Albert Schilling] zum Beispiel mit ruhigen bewegten Figuren an plastischer Gesetzlichkeit ausdrücken wollte, kehrt reiner und intensiver in abstrakten Skulpturen wieder. Dennoch ist die Entwicklung vom sogenannten Konkreten zum sogenannten Abstrakten nicht einsinnig; beides bildet für ihn keinen Gegensatz, denn für den Plastiker kann es immer nur um eines gehen, das Ereignis der schöpferischen Formwerdung … . Vielleicht steht, von diesem letzten Gedanken aus gesehen, der bildende Künstler dem schaffenden Urgrund des Seins am nächsten. Das Sechstagewerk [der Schöpfung] führt uns in die Werkstatt eines Bildhauers.“