Schöpferische Formwerdung

In der abendländischen Kunst waren es die Werke der Bildhauer der Romanik, die Albert Schilling – wie viele seiner Zeitgenossen – in ihrer archaischen Auratik ansprachen. Bereits als junger Student wurde ihm nach eigenen Aussagen ein „romanischer Komplex“ nachgesagt. Paris, das Zentrum der Kunst der Moderne, stand immer wieder auf der Agenda des Künstlers. Es waren nicht nur die Ausstellungen und Museen, die ihn dort in den Bann zogen, sondern der Stadtraum als solches, da Raum und Volumen ihn stets beschäftigten. Die Skulptur der „Salome“ aus dem Jahr 1961 zeigt durchaus Einflüsse der zeitgenössischen französischen Kunst, so etwa von Arbeiten Pablo Picassos (1881 – 1973). Wie für viele Bildhauer seiner Generation blieb der englische Kollege Henry Moore (1898 – 1986) lebenslang ein Vorbild. Bei einem Besuch der Documenta 3 in Kassel 1964 notierte er nach der Betrachtung von dessen Skulptur „Locking Piece“: „Das entscheidende Erlebnis vor einer Skulptur ist nicht Eigentümlichkeit, sondern die erschütternde Erfahrung der sicht- und tastbaren Wirklichkeit intensivsten Daseins in sich selbst.“ Eine Aussage, die in ihrer eleganten Formulierung die Tiefsinnigkeit des Künstlers erahnen lässt.

Die Auseinandersetzung mit geometrischen Formen, wie etwa der Kugel, diente Albert Schilling der Annäherung an die Phänomene des Raumes und des Volumens im Allgemeinen, sie führte ihn jedoch auch zu seinen formklaren Marmorskulpturen. Daneben sind es immer wieder organische Formen, die er in seinen Bleiskulpturen der 1950er und 1960er Jahre aufgriff. Bei „Baum an der Mauer“ von 1961 ist das Vorbild der Natur handgreiflich wahrzunehmen. Strenge Geometrie und Schönheit der natürlichen Form prägten das Schaffen Albert Schillings gleichermassen.