Schöpferische Formwerdung

Kleines Selbstbildnis“ und „Weiblicher Torso“ reflektieren dementsprechend Albert Schillings Interesse am menschlichen Körper. Das Selbstbildnis bestätigt dies nochmals, da er hier ebenfalls an einem Torso, allerdings einem männlichen, arbeitet. Seine Leitfiguren in der Übertragung des menschlichen Körpers in den Stein waren damals durchaus ambitioniert: Michelangelo (1475 – 1564) sowie Auguste Rodin (1840 – 1917). „So wird es unmöglich, Form mit Inhalt zu verwechseln. Schon Rodin hat sich intensiv um diese Dinge bemüht. Man hat die verschiedensten Gründe angeführt, warum er aus manchen Werken Torsi gemacht habe; … Dabei war es wohl einzig das durchbrechende Bedürfnis, in einer malerischen Epoche statt Literatur wirkliche Skulptur zu machen … .“

Obwohl Albert Schilling ein geübter Porträtist war, beschlichen ihn jedoch bei seiner Arbeit bis kurz vor seinem Tode immer wiederkehrende Zweifel: „… kaum eine bildhauerische Betätigung erscheint mir so voller Probleme wie gerade das Porträtieren. … Hier erhebt sich die entscheidende Frage, ob und wie weit der Künstler seiner Arbeit Züge geben darf oder soll, die seiner persönlichen Vorstellungswelt näher stehen als dem Dargestellten.“ Nichtsdestotrotz blieb er ein gesuchter Künstler im Porträtfach. Im Laufe der 1950er Jahre suchte der Bildhauer den Weg zu einer schrittweisen Reduktion in seinen Werken. Die Bleimodelle für die Madonnenplastik „Sedes Sapientiae“ von 1956 sowie zum „Fischer am Rhein“ aus dem Baseler Solitude-Park von 1957 legen hierfür eindrucksvoll Zeugnis ab. Auch das Bronzerelief der Notre Dame de la Trinité aus dem Jahre 1957 in der Krypta des Kiliansdomes steht in dieser Entwicklungslinie.