Somit erhält jetzt zunächst der Theologe die dringliche Aufgabe, die Taufe als die ständig zu erneuernde und zu erlebende Eingliederung in Christus vertieft ins Bewusstsein der Menschen zu bringen. Es muss mit der Taufe Ähnliches geschehen, wie es mit der Eucharistie geschehen ist, die von im Tabernakel konservierten Sakrament wieder zum Mahl und von der mehr privaten Anbetung zum Gemeinschaftsgottesdienst geworden ist.
Vielleicht aber wird, was wir nur hoffen, die in der Schublade zur Edition fertig bereite Formel, nach welcher das Taufwasser vor jeder Taufe durch einen kurzen Ritus geweiht werden darf, so lange dort zurückgehalten, bis der gesamte Fragenkomplex von der theologischen Seite her neu erarbeitet ist. Es könnte sonst geschehen, dass auch die unerhört symbolträchtige Taufwasserweihe der Osternacht fragwürdig wird, nachdem diese durch die Kindertaufe ohnehin Wesentliches verloren hat. Wir brauchen nur an die Johannestaufe zu denken, an die Taufliturgie der Essener, die uns nach den Entdeckungen von 1947 an der Steilküste des Toten Meeres immer bedeutsamer wird. Könnte es nicht sein, dass gerade diese Entdeckungen auch einen entscheidenden Anstoss gäben, die urchristliche Taufe neu zu sehen und daraus die Schlüsse für unsere Zeit zu ziehen? Wir dürfen ja unseren gewiss armseligen Taufritus nicht mit demjenigen der Essener zur Zeit des Täufers vergleichen, dem eine wesentliche Metanoia vorauszugehen hatte. Die Erkenntnis könnte dann auch erstehen, dass eine Erneuerung nicht von der Form her mittels modischer Spielereien erreicht werden kann. Nur das vertiefte Bewusstwerden der Substanz gibt dem Künstler die Voraussetzungen für einen neuen, rückhaltlosen, persönlichen Einsatz. So sehr und so oft es immer wieder Künstler gewesen sind, welche selbständig nach der Substanz als der Grundlage ihres Tuns gesucht haben, so scheinen heute notwendigerweise die Theologen vorangehen zu müssen.