Durch die während vieler Jahrhunderte beibehaltene vertikale Axialität des Taufsteins ist dieser ringsum gleichwertig. Es ist deshalb auch dem taufenden Priester kein Platz zugewiesen, an dem er seine Funktion ausüben könnte. Dieser wie die Taufgesellschaft gruppieren sich um den Taufstein, wie es die Platzverhältnisse oder das zeitliche Eintreffen zufällig gestatten (Bild). Während beim Messopfer jede einzelne Aktion ihre vorgeschriebene Form erhielt, blieb die Taufe durch die vielen Jahrhunderte fast von jeglicher formaler Vorschrift frei. Sie hat nie eine Gestaltung erhalten, die über den engsten Taufakt, das Aufgiessen des Wassers, wesentlich hinausgegangen wäre.
Aus solchen Einsichten wurden nun Taufsteine gestaltet, die dem Priester einen bestimmten, wichtigen Platz einräumten, so das Bronzetaufbecken von St. Marien in Basel (Bilder), der Taufstein mit der horizontalen Achse in Unterengstringen (Zürich) und dann, mit besonderem Aufwand, die Taufkapelle von St. Bernhard in Mannheim (Bilder), wo der Platz des Taufenden einerseits von der Osterkerze, andererseits von der Utensilienkassette flankiert wird und der ganze Taufraum keinen statischen, sondern einen funktionellen, wartenden Charakter ausstrahlt.
Während dieser Arbeiten wurden die Bestimmungen, wonach das Taufwasser jeweils vor der Taufe nach einem kurzen Ritus geweiht werden kann, vorbereitet. Eine solche Bestimmung zieht fast mit Notwendigkeit den gänzlichen Wegfall des Taufsteins nach sich. Seine wesentliche Aufgabe ist ja die Konservierung des Taufwassers – wenn diese wegfällt, bleiben nur noch Gewohnheit oder Pietät. Es hätte auch wenig Sinn, den Taufstein etwa mit einem kostbaren Wasserhahn zu konstruieren. Jeder weiss, dass er nur Wasser aus der städtischen Wasserleitung spendet, nicht etwa aus einer eigenen Quelle, die eine besondere Formgebung rechtfertigen könnte. Die Folgerung, dass das Wasser aus der Sakristei ebenso gut sei, ist unausweichlich und im Grunde nur ehrlich. Die beständig fliessenden Taufbrunnen sind dem Gläubigen wohl nicht so sehr Symbol für die Gliedschaft Christi als für die Reinigung von der Sünde, beziehungsweise für deren moralische Voraussetzung.
