Vom Taufstein zur Taufe

Albert Schilling, in „Albert Schilling“, Sakrale Kunst Band 8, 1966, NZN Buchverlag, Zürich, Seiten 40 – 43

Motto:
Es ist schön, dass es dem Menschen so schwer wird, sich vom Tode dessen, was er erlebt, zu überzeugen, und es ist wohl keiner noch zu seines Freundes Grabe gegangen ohne die leise Hoffnung, da dem Freunde wirklich zu begegnen. Hölderlin [Hyperion]

Die Liturgiekonstitution des Konzils enthält unter Nr. 70 den Satz: „Ausserhalb der österlichen Zeit kann das Taufwasser bei der Taufspendung selbst mit einer approbierten kürzeren Formel geweiht werden.“  Dieser Satz sei uns Anlass, nicht nur einen Blick rückwärts zu tun, sondern auch die Folgen aufzuzeigen, die sich aus der neuen Situation für den Künstler ergeben. Sie sind nicht nur für den Architekten und Bildhauer von Wichtigkeit, sondern auch für den, der die Taufe zu spenden hat. Wie die Entwicklung der Altäre nicht eine Stil- und Modesache war, sondern die Konsequenz aus den theologischen Erkenntnissen vom Verkündigungs- und Mahlcharakter der Messe, so wird auch die neue Formulierung der ganzen Taufsituation abhängig sein von einem Tiefer-bewusst-Werden des Wesenhaften.

Leider besteht über die Entwicklung, d.h. Veränderung der Taufwassergefässe kein wissenschaftliches Werk, das sich mit demjenigen P. Brauns über den Altar vergleichen liesse. Der Grund hierfür ist die einfache Tatsache, dass sich seit der Zeit der frühromanischen Taufsteine auf dem Gebiet dieses Sakramentes gar nichts Entscheidendes mehr ereignet hat. Ja, man ist versucht, von einer Stagnation zu sprechen, sofern wir die Veränderungen als einen Spiegel der jeweiligen religiösen Haltung betrachten. Einzig stilgeschichtliche Veränderungen würde eine Monographie des Taufsteines vermitteln, während die Geschichte des Altars weitgehend Aufschluss über die religiöse Situation der einzelnen Zeitabschnitte.