Vom Taufstein zur Taufe

Dass gerade der Seelsorger nur schwer auf den Taufstein verzichten kann, ist verständlich, bietet dieser ihm doch den einzigen sichtbaren Stützpunkt für das unerhörte geistige Geschehen. Und dasselbe gilt nicht nur für den Seelsorger, sondern auch für den Gläubigen. Hier besteht nun die allergrösste Gefahr, dass ein leerer Taufstein oder gar einer, der nur als Sacrarium für das gebrauchte, abfliessende Taufwasser dient, zum geistigen Stützpunkt gemacht wird, obwohl er überhaupt nicht mehr Stützpunkt sein kann und darf.

Dafür aber gibt die Loslösung vom Taufstein dem Seelsorger die Möglichkeit, den Akt dort und auf die Weise vorzunehmen, wo und wie es ihm am geeignetsten erscheint, zum Beispiel an einer wohldisponierten Kredenz zwischen Volk und Altar, d.h. an einer Taufstelle, wo der Priester einen würdigen, ihm allein zukommenden Platz einnimmt, der auch durch die Osterkerze und die deutliche Aufbewahrung der Taufgeräte gekennzeichnet sein könnte. Auch könnte der Taufakt würdiger gestaltet werden durch die Hilfe eines Diakons, der das Taufwasser trägt und dieses in einer Schale wieder auffängt. (So in der umgebauten Kirche Gempen SO und Wels-Lichtenegg, Oberösterreich.)