Vom Taufstein zur Taufe

Nachdem man von der Immersionstaufe abgegangen war, trat an die Stelle des altchristlichen Baptisteriums ein gänzlich ungleichwertiger Ersatz: der Taufstein oder das Taufbecken. Ungleichwertig deshalb, weil diese mit der Funktion der Taufe überhaupt nichts mehr zu tun hatten, sondern blosse Aufbewahrungsgefässe waren. Dafür vermag auch die kostbarste stilistische Gestaltung oder das Anbringen eines reichen Symbolschmuckes nicht hinwegzutäuschen. Weil das Taufgefäss nur Gefäss war und zur Taufe selber keinen direkten Bezug hatte, ist in den vielen Jahrhunderten nie eine Taufsteinweihe vorgeschrieben worden, wie dies für den Altar der Fall war, der für das Messopfer wesentliches Instrument ist.

Die drei Kirchen, die 1950 in Basel geweiht wurden, waren alle mit einer eigenen Taufkapelle und skulpturalen Taufsteinen ausgestattet. Die Bemühungen, durch eine eigene Taufkapelle der Taufe selber mehr Gewicht zu geben, wurden aber schon nach wenigen Jahren fragwürdig. Im Ritus der in der Osternacht eingeführten Osterliturgie wird das Taufwasser vor dem Volk geweiht. Das bedingt, dass sich das Volk in die Taufkapelle drängt, was bei ihren Ausmassen nicht möglich ist, oder dass das Taufwasser im Altarbezirk geweiht und nachher zum Taufstein getragen wird. Aus diesen Erwägungen wurden dann Traggefässe für das Taufwasser geschaffen, die zum Teil direkt in den Taufstein gestellt wurden und während des Jahres dort verblieben. Dieser Modus war schon deshalb unbefriedigend, weil Metallgefässe das meist mit Chlor oder anderen Chemikalien durchsetzte Wasser sehr schlecht konservieren.

Die Zuleitung von frischem Wasser ist bei vielen frühen Taufkirchen noch erhalten. Diese alten Baptisterien zeichnen sich aber gegenüber den Taufsteinen durch einen wesentlichen Vorteil aus: Sie zeigen nicht wie die Taufsteine einen statischen Zustand, sondern sind Ausdruck einer Funktion, eben der Taufe. Wir blicken in das Gefäss, wir sehen die Treppe, auf der der Täufling hinabstieg, und oft gegenüber jene, auf der er das Wasser verliess. Der ganze Raum ist angelegt auf Aktion. Ein Mensch, der gänzlich fremd in ein Baptisterium hineingeriete, würde sich als erstes fragen: Was hat hier zu geschehen? Solange in einem solchen Baptisterium keine Taufe stattfindet, stellt es eine unerfüllte, eine wartende Situation da. Der Taufstein mit seiner vertikalen Achse ist ein rein statischer und in keiner Weise ein funktioneller Gegenstand. Er ist nichts weiter als ein Gefäss. Man kann dieses Gefäss deshalb auch hinstellen, wo man will. Nach den Einen soll der Taufstein beim Kircheneingang stehen, weil die Taufe das Initialsakrament sei. Nach den Anderen am einen Ende der Achse zum Altar. Als Sakrament der Aufnahme in die Kirche, wieder nach anderen der Taufstein vor die Gemeinde.