Erinnerungen an einen grossen Bildhauer, oder wie ich mit Albert Schilling bekannt wurde!

Es folgten Besuche in seinem Atelier an der Mürgstrasse, gut einen Steinwurf entfernt von der Schmiede. Diese Begegnungen weckten in mir das Verlangen, mich selber in vermehrtem Masse dem gestalterischen Werken zuzuwenden. Die wachsende, gegenseitige Übereinstimmung und Sympathie zwischen uns zweien war die logische Folge dieser Entwicklung. Schliesslich kamen wir überein, uns nach Feierabend – frei von jeglichen äusseren Störungen – gemeinsam dem schöpferischen Gestalten am Amboss zu widmen. Diese abendlichen Stunden zählen zu den kreativsten und schönsten in meiner beruflichen Laufbahn. Schilling hatte mir die Augen geöffnet.

Sein Einfluss auf mein künftiges Schaffen war von nachhaltiger Wirkung. Beim nachträglichen Werken gestand er mir, dass der Umgang mit dem glühenden Eisen für ihn eine völlig neue Erfahrung bedeutete.  Bei der Steinbearbeitung lässt man sich Zeit, Schmieden dagegen ist nur möglich, solange das Eisen wirklich glüht. Dies erfordert eine äusserste Konzentration und dementsprechend rasche Arbeitsweise, was er anfänglich als schrecklich aufregend empfand.  Ich war, zusammen mit neun Geschwistern, ein Spross einer typischen Handwerkerfamilie. Er, der Akademiker und Künstler, stammte gleichsam aus einer anderen Welt. Und trotzdem fanden wir uns ausgezeichnet zusammen, was auch angesichts des Altersunterschiedes von 20 Jahren keine Selbstverständlichkeit war.