Albert Schilling, der in diesem Jahre seinen 100. Geburtstag feiern würde, war eine Persönlichkeit. Er lebte zurückgezogen in der Stille des Denkens – seiner Art des Denkens. Er war ein Alltäglicher, der nicht von oben herab auf das Leben blickte, sondern es von innen erwanderte. Aus modesten Geschicken setzte er seine Zeitläufe zusammen. Sein Werk des Archetyps, mit dem er die Gewogenheit seiner Bewunderer gewann, blieb wie es scheint, für immer. Den Menschen mit seinen Skulpturen in die Seele schauen und mit sich und der Welt in Harmonie sein, waren seine Wurzeln. Seine Klarheit führte das Auge zum Verweilen, zur Beschaulichkeit einladend, die das Denken immer wieder in die Mitte führt und das Fühlen in der Spannung einer magischen Ausstrahlung hält. Und darin liegt die Bedeutung der imaginären Gestalt und geistigen Kräfte seiner Skulpturobjekte. Jede Arbeit geschah im Kopf, vollzog sich in dem Willen, das Gedachte festzuhalten, die sein Leben geformt hatte und dann mit ihren Möglichkeiten neu zu interpretieren und fortzusetzen. Der Geist in ihm war darum seine elementare Kraft.
Sein Werk war zusätzlich auch auf seine nachfolgende Generation ausgerichtet. Es blieb sein Wunsch offen, dass seine Erkenntnisse im neuen Zeitalter von jungen Talenten der Bildhauerkunst im Schaffen von Ordnung und Wahrheit als Gesetz, Konstruieren und Modellieren als Freiheit von aufgeschlossenen Bürgern wieder übernommen würden. Es wäre zu wünschen, dass sich den Jungen sein in vielen Jahren seines Schaffens erarbeitete Anliegen, dass in der Bildhauerkunst Natur und Gestaltung eins bleiben, eröffnet.
