Erinnerungen an Albert Schilling

Nach ein paar Monaten Arbeit wagte ich die Aufnahmeprüfung an der Hochschule für bildende Künste in Berlin. Ein halbes Jahr später sollte ich im gleichen Raum (!) wie damals Albert Schilling mein Studium bei Professor Bernhard Heiliger zu beginnen. Wenige Jahre nach bestandener Meisterschülerprüfung übertrug mir Albert Schilling mit den Worten – “Ich kenne niemanden, der es besser kann als du” – seinen Auftrag für einen Tabernakel in der Krypta des Doms zu Arlesheim. Es gab eine lange Diskussion über meinen skizzierten Vorschlag, der Schilling zu anspruchsvoll erschien. Daraufhin fertigte ich ein Modell in Gips. Albert Schilling konnte es leider nicht mehr sehen. Pfarrer Josef Schwegler nahm das Modell begeistert auf und setzte sich mit Engelsgeduld für die Durchsetzung bei der Kirchengemeinde ein. In der Domkrypta dienen und begegnen sich Albert Schillings und meine Arbeit. Meine Empfindung: Glück und Dankbarkeit.

In seinen Arbeiten setzte Albert Schilling meist Gegensätze in Beziehung zueinander: Unbehauene, raue Steinflächen zu geschliffenen, polierten; runde Formen zu eckigen; konkave zu konvexen. In den späten Werken entstanden so an den tiefsten Berührungspunkten Durchbrüche. Einmal sagte Schilling: „Es geht mir immer mehr um’s Sein.“  Diese Worte berührten mich tief, ohne dass ich sie verstand. Zum Dank an Albert Schilling möchte ich ihm folgende Zeilen widmen:

Die Liebe kennt keinen Gegensatz und ist unendlich.  Sie durchdringt alles, was ist, denn sie selbst ist das IST, zusammen mit dem Glück, der Freude, dem Frieden.  Unser Geist kann dies leugnen und die Liebe als begrenzt sehen, indem er einen Gegensatz schafft und indem er sich mit diesem Gegensatz identifiziert, wird dieser scheinbar wirklich und wir fangen an zu leiden.  Mit dem Zurückfinden in den gegenwärtigen Augenblick, wo wir alles annehmen, was da ist, können wir ins einfache Sein zurückfinden, wo wir von der immer gegenwärtigen Liebe durchdrungen und geheilt werden.