
Sobald er die Höhe erreicht hat, an der von oben die Leonhardsstrasse in die weiter ansteigende Weinbergstrasse einmündet, sieht er, wie uneinheitlich und zerrissen die bauliche Situation gerade an diesem Ort ist. Inmitten einer wahllosen Bebauung steht hoch oben die nicht gerade schöne neuromanische Kirche und unten an der Strasse das moderne Pfarrhaus. Das ganze „kirchliche Gebiet“ ist durch eine hohe Stützmauer abgegrenzt gegen die beinahe hektische Betriebsamkeit des profanen Stadtbereichs. – Nach jahrelangen Modellstudien hat Schilling nun eine, wie uns scheint, ausgezeichnete Lösung gefunden. Er stellte seine Johannes-Figur nicht irgendwohin zwischen Kirche und Strasse, er benützte auch nicht die Stützmauer als gegebenes Piedestal für ein „religiöses Denkmal“, sondern er stellte den prägnanten Block aus Wirbelauer Marmor direkt an die Grenzlinie des Areals zur Strasse und zwar genau an jenem Punkt, an dem der Treppenaufgang zu Pfarrhaus und Kirche sich vom Trottoir ablöst.
Indem er dem Stein seine blockhafte Geschlossenheit, die Festigkeit seiner gewachsenen Architektonik beliess, schuf er hier nicht nur ein starkes und unübersehbares Symbol für den „Eckstein Christus“, auf den Johannes der Täufer als letzter Prophet des Alten Gottesbundes als erster des Neuen hingewiesen hat, ergab der Figur auch in formaler Hinsicht ihren eigenen festgelegten und für sich bestehenden Raum, der sich dann wieder auf zwei Seiten zur Strasse, zur Welt und zum Menschen hin öffnen kann. Aus dem Marmorblock herausgemeisselt und gebohrt und dennoch mit ihm fest verbunden, steht hier die Figur. Auch sie hat das Blockhafte des Steins. Alles Gewicht ist auf die Ausdruckskraft der Formen gelegt, die nicht äussere Grösse, sondern die Monumentalität jener Botschaft vermitteln soll, die die Gestalt des Täufers der Welt auszurichten hat. Durch eine zuchtvolle Strenge der Steinbearbeitung, durch Verzicht auf jedes nur erzählerisch-anekdotische Detail und durch ein Übertonen von Kopf und dem nach oben weisenden Arm hat Schilling hier sein Ziel in schönster Weise erreicht.
Mit dieser Plastik hat die Architektur für einmal nicht nur eine „Bereicherung“ und damit etwas Zusätzliches und also auch Entbehrliches bekommen, wie das heute leider so oft der Fall ist. Es ist vielmehr das genaue Gegenteil geschehen: durch diesen Steinblock, der in organisatorischer Verbindung sowohl das architektonische wie das plastische Element enthält, bekommt die ganze Anlage der kirchlichen Bauten an diesem Platz erst ihren eigentlichen und sinnvollen Fixpunkt.
Johannes der Täufer im Fotoarchiv