Albert Schillings „Johannes der Täufer“

Maria Netter, in Kunst und Stein, no 4, Juli 1958, 3. Jahrgang, Hg. Verband Schweizerischer Bildhauer- und Steinmetzmeister, Bern

Mitten im Zürcher Grosstadtverkehr, an der Tramschlaufe Leonhardsstrasse / Weinbergstrasse, wurde im Herbst des letzten Jahres eine Steinplastik aufgestellt, die in ihrer ganzen Art, ihrer Plazierung und ihrer thematisch-formalen Auffassung nahezu etwas Ungewöhnliches an sich hat. Es ist die 290 cm hohe Johannes-Figur vor der neu-romanisch katholischen Liebfrauenkirche, ein Werk des Bildhauers Albert Schilling (Arlesheim). Unsere Leser kennen bereits eine Reihe der schönen kraftvollen Steinarbeiten dieses Künstlers, Altäre und Reliefs moderner Schweizerkirchen, die wir in No. 9/10 1957 von Kunst und Stein veröffentlicht haben. Mit der Zürcher Johannesfigur erfährt aber nun Schillings Werk doch noch einmal eine Erweiterung ganz besonderer Art. Und zwar in mehrfacher Hinsicht.

Schilling ist mit ihr aus dem engeren Bereich der Kirche herausgetreten – sowohl in thematisch-symbolischer als auch in plastisch-architektonischer Hinsicht. Und er hat zugleich versucht, eine Lösung zu finden für die ganze, so völlig ungeklärte Problematik der figürlichen Plastik in unserer Zeit. Wie ausserordentlich schwierig die räumliche Situation für den Bildhauer war, im Bereiche der Liebfrauenkirche einen künstlerischen Schmuck von akzentuierender Bedeutung anzubringen, wird jedem sofort klar, der einmal an einem Wochentag zu verkehrsreicher Stunde vom Central her die Weinbergstrasse emporsteigt.