Albert Schilling Achtzigjährig

Einen Zugang zu den letztern können die sukzessiven Verinnerlichungen des Marienmotivs bieten. Man besuche das Meisterwerk in der Allerheiligenkirche, das Schilling selbst “Notre Dame de la Trinité” genannt hat und das seit 1958 bis heute geradezu ein Wallfahrtsbild geblieben ist, und verfolge dann das Thema bis zu jenen konkaven Gestalten, die nur noch eines ausdrücken: stillen, zu jeder Bergung bereiten Empfang. Oder man betrachte den zurückgelegten Weg von der wunderbaren figürlichen Darstellung des auferstandenen Christus auf dem Priestergrab am Hörnli bis zu den letzten unfigürlichen Werken, in denen scheinbarer starrer Stein in seiner Form in Bewegung gerät, und zwar ohne „aus den Fugen” zu geraten, sondern indem er sich in sich selber durchbricht: so erkennen wir, welch gewaltigen Fortschritt der Meister durch die doppelte Vertiefung in das Wesen seines Materials und seines gelebten Glaubens erreicht hat.

Dabei behält sein Werk eine fast spielende Reichhaltigkeit: mit der gleichen Liebe gestaltet Schilling ein Wegkreuz, einen Dorfbrunnen, einen geheimnisvollen Hohlstein, auf dem im Hof des Schulhauses die Kinder herumklettern können, unzählige Grabsteine mit immer neuen Lebenssymbolen, Vasen, Schmuckstücke und weiss Gott was alles noch. Es verwundert deshalb nicht, dass Schilling lebendiges Interesse an allen Zweigen der Kunst – Dichtung, Musik – und der wissenschaftlichen und technischen Fortschritte, sowie an allen Formen menschlicher Beschäftigung nimmt (Rotary-club). Es wäre schade, wenn seine Landsleute übersehen würden, welchen Reichtum sie in Albert Schilling besitzen, auf den das Ausland besser geachtet hat, als es ihm etwa die neue Ausstattung des verwüsteten Würzburger Domes übertrug.