Hans Urs von Balthasar, 1984, aus dem ARCHIV HANS URS VON BALTHASAR, Basel
Am 21. März feiert der Bildhauer Albert Schilling seinen Achtzigsten. Der bis heute unermüdlich Tätige kann auf eine reiche Lebensernte zurückschauen. In Zürich geboren, hat er nach den Kollegium in Disentis und Engelberg zunächst Theologie in Luzern studiert, aber auch Kunstgeschichte in Zürich bei Wölfflin gehört und dann 1930-1932 die Hochschule für bildende Kunst in Berlin besucht: Modellieren bei Wilhelm Gerstel – dessen eindringlichen Unterricht er selber köstlich beschreibt – ferner Holzbildhauerei und Bronzetechnik. Mit sechsundzwanzig Jahren eröffnet er ein eigenes Atelier in Zürich, arbeitet später in Stans, wo er schon früher seine Frau Agnes Flüeler, die Schwester der bekannten Paramentenkünstlerin Sr. Augustine, geheiratet hatte, und verlegte 1946 sein Domizil endgültig nach Arlesheim.
Viele kennen einzelne seiner Werke: figürliche aus der Frühzeit (etwa den berühmten „Leser“ in der Luzerner Zentralbibliothek oder den grossartigen Täufer auf dem Trottoir unter der Liebfrauenkirche in Zürich, ernst zum Gotteshaus emporweisend), viele kennen seine gewaltigen Altäre, die noch nicht überall unsern miserablen Holztischchen weichen mussten (in Basel gibt es noch St. Marien und Allerheiligen), aber wenige wohl kennen die vollendetsten Werke seiner Spätzeit, scheinbar „abstrakte” Kunst, die in Wirklichkeit nur das Ergebnis einer tiefen religiösen wie künstlerischen Meditation über christliche Mysterien sind. Denn Schilling ist untrennbar beides: ein Künstler, dem es um die immer reinere, immer selbst-ständigere Form geht, und ein Christ, der die Glaubens- und Lebensgeheimnisse der Offenbarung in der Sprache von Raum und von Stein oder Erz auszudrücken vermag. Weil manche diese Einheit erkannt hatten, wurde er während der Zschokke Epoche, was den Schmuck der Stadt Basel angeht, absichtlich übergangen, weil aber auch sehr viele sie nicht erkannt haben und noch immer nicht erkennen, werden gerade seine vollkommensten Werke nicht nach ihrem wahren Wert eingeschätzt.
