Von Gretel Leonhardt (in Erinnerungen, 2004)
Lieber Albert, die erste Begegnung mit dir hatte ich als junge Frau. Ich durfte für meinen Freund bei dir im Atelier in Arlesheim ein Kreuz aussuchen. Nie zuvor hatte ich in meinem jungen Leben die Arbeitsräume eines Bildhauers betreten. Dieser erste Besuch hat in mir einen unvergesslichen Eindruck hinterlassen. Entgegenkommend warst du, offen, sanft lächelnd, bedächtig und sehr präsent wirktest du auf mich. Viele imponierende Statuen, grosse unbehauene Steinblöcke, Bronzeköpfe und Kleinplastiken, noch feuchte Lehmarbeiten, mit denen Du gerade beschäftigt warst, standen in deinem lichtdurchfluteten Atelier. Du freutest Dich über mein Staunen und Fragen und liessest dich gern auf ein Gespräch ein. Ich lernte durch Dich, eine Plastik nicht nur frontal, sondern von allen Seiten zu betrachten, den Stein zu ertasten und zu erfühlen, zu erfahren, was räumliche Dimensionen sind. Im Hintergrund knisterte das wärmende Feuer in deinem grossen offenen Kamin und oft erklang klassische Musik im Raum.

Zu den Höhepunkten der zahlreichen Begegnungen während unserer jahrzehntelangen Freundschaft gehörte es, Dir, Deiner mir liebgewordenen Agnes und deinen drei Töchtern auf der intimen, persönlich ausgestatteten Galerie deines Ateliers gegenüberzusitzen. Du warst ein Meister im Zuhören, konntest Wichtiges von Unwichtigem unterscheiden und stelltest klare Fragen. Du liessest mich teilhaben an deiner eigenen Suche nach dem Wesentlichen im menschlichen Leben. Dafür, lieber Albert, bin ich Dir zeitlebens dankbar!
Als ich einmal als junge Mutter mehrerer Kleinkinder dich als klugen, erfahrenen Vater und sensiblen Künstler um Erziehungsprinzipien und Rat bat, hast du überhaupt nicht auf meine mir so dringlich erscheinenden Fragen geantwortet, sondern verschmitzt lächelnd mit einer grossen gütigen Ausstrahlung gesagt: „Wenn ich etwas in meinem Leben anders machen würde, so wäre es, mehr menschliche Beziehungen und Freundschaften zu pflegen und mir mehr Zeit dafür zu nehmen – bei Brot, Käse und einem guten Glas Wein.“
DANKE
Deine Gretel